Werner Lau, Filitheyo, Faafu-Atoll, Malediven
Selten kommt es vor, dass ich einen Bericht zum Besuch auf einer Tauchbasis schreibe, der dann eigentlich schon direkt fürs Archiv ist. Im November 2025 war ich auf der Malediven-Insel Filitheyo im Faafu-Atoll. Mein Abreisetag fiel mit dem letzten Betriebstag der Tauchbasis von Werner Lau zusammen.
Kurz vor dem Wechsel
Nahtlos sollte es man nächsten Tag weitergehen mit einem neuen Basisbetrieb direkt durchs Hotelmanagement. Diese neue Basis kann ich hier nicht bewerten, als Rückblick schreibe ich aber etwas zum langjährigen Vorgänger.
Buchung
Nachdem ich mir vom ehemaligen Betreiber noch die Zusage geholt hatte, dass der Basisbetrieb während meines Aufenthalts sichergestellt sei (die Schließung war bereits kommuniziert), entschloss ich mich zur Vorabbuchung eines Pakets. Zuletzt war ich auf einer Wener-Lau-Basis zwanzig (!) Jahre zuvor. Ich hatte trotzdem das Feld „Wiederholer“ angekreuzt, was ja irgendwie auch richtig und durchs Logbuch belegbar war und damit auch den „Wiederkommer“-Rabatt bekommen. Trotzdem: Die Preise fürs Tauchen auf den Malediven sind schon auf einem gehobenen Niveau.
Check-In
Das Tauchcenter arbeitet mit festen Check-In – Zeiten für neue Gäste. Die Zeiten wurden per Aushang bekannt gegeben. Zu diesem Zeitpunkt war ich der einzige neue Gast und bekam erst einmal eine umfangreiche Basisführung, in der genau erklärt und gezeigt wurde, was wo ist und wie es organisiert ist.
Getaucht wurde üblicherweise mit 12l-Aluflaschen. Sonderwünsche waren in begrenzter Anzahl möglich. Nitrox war selbstverständlich „for free“ vorhanden, die proklamierten 32% wurden aber meist nicht wirklich erreicht (eher 29-30%). Boje und Computer sind Pflicht, oder sollte ich eher schreiben: Natürlich selbstverständlich!
Hausrifftauchen
Diese Basisführung ist auch gut so, denn ein wichtiger Punkt ist das selbständige, d.h. ohne Guide, Hausrifftauchen. Man trägt sich in einer Liste ein, baut die Ausrüstung zusammen, die dann von der Crew zum gewünschten Einstieg gebracht wurde und konnte dann direkt im Buddy-Team starten.
Einzige Regeln: Keine Dekotauchgänge, nach zwei Stunden wieder an der Basis sein. Dort trug man Ausstiegspunkt und Ausstiegszeit ein – fertig. Zurück war die Ausrüstung aber selbst zu tragen.
Filitheyo ist mit ca. 900x500 Metern eine eher größere Insel, die Wege zu den Zugängen zum Hausriff sind nicht zu unterschätzen. Theoretisch gab es acht Ein-/Ausstiege. Fünf im Norden, drei im Süden. Die Insel liegt am Atollrand, beide Seiten sind Kanäle ins Atoll. Informationen, ob es gerade einlaufende oder auslaufende Strömung gibt, sind daher essentiell. Die Tidenzeiten wurden per Aushang bekannt gegeben. Somit war es aus Sicherheitsüberlegung eine gute Idee, die beiden westlich liegenden Zugänge 3 und 4 nur bei auslaufender Strömung, die beiden östlich liegenden Zugänge 1 und 8 nur bei einlaufender Strömung als Einstiege zu nutzen. Damit konnte man immer an der ganzen Insellänge mit der Strömung entlangtauchen. Niemand möchte im Kanal treibend eingesammelt werden. An der Ostseite der Insel befand sich auch schon das Außenriff. Hier waren keine Hausrifftauchgänge möglich, sondern aus Sicherheitsgründen nur Tauchgänge mit Begleitboot (Bootstauchplatz: Filitheyo East).
Die Hausriffzugänge waren über Wasser gut sichtbar und unter Wasser durch Bojen und Seile gekennzeichnet. Leider nicht alle, einige Konstruktionen waren beschädigt und nicht mehr oder nur bis zu einer Tiefe von fünf Metern intakt. Das soll wohl schon einige Zeit so sein, so dass sich die Frage stellte, wer hier eigentlich für die Pflege zuständig war: Basis oder Inselmanagement.
Am Einstieg Nr. 5 liegt auf ca. 30 Metern ein Wrack, was diesen Platz noch mal besonders interessant macht. Das Wrack ist recht einfach zu finden, wenn die Strömung gering ist und die Sichtweiten gut sind.
Der erste Tauchgang ist immer ein Checktauchgang mit Guide am Hausriff. Es gibt dabei keine Übungen, aber die Möglichkeit, die eigene Bleimenge noch mal zu prüfen und vor allem Orientierungstipps.
Bootstauchgänge
Während die Infotafeln am Tauchcenter noch einen Betrieb von vier Tauchbooten vorsahen, waren es tatsächlich zwei. Und auch das nicht durchgehend, da die Nachfrage niedrig war. Im November endet auf den Malediven die Regenzeit und die Nebensaison, erst danach geht es wieder richtig los. So ist häufig sogar nur ein Dhoni rausgefahren. In der Theorie hätte ein Boot die ruhigeren Plätze im Atollinneren oder als Drifttauchgang am Außenriff angefahren, während das andere Boot die anspruchsvolleren Plätze in den Kanälen ansteuerte. Letzteres war nicht alle Tage nachgefragt.
Organisiert wurden die Bootsausfahrten üblicherweise als Einzeltauchgänge, eine Ausfahrt am Morgen, die zweite am Nachmittag. Die Ausrüstung kam morgens auf einen großen Schubwagen und wurde zum Boot gebracht, nachmittags umgekehrt.
Die Tauchspots wurden per Aushang bekannt gegeben, so dass man anhand einer Karte sich grob orientieren konnte, wo es hinging.
Vor dem Tauchgang gab es ein Briefing, zu dem der Guide den Tauchplatz kurz zeichnete und erläuterte. Früher gab es schön gemalte Tauchplatzkarten, die seien aber, so ein Guide, der Basis bei einem Einbruch entwendet worden. Parallel muss man auch auf dem Webserver eingebrochen haben, denn die Karten waren auch auf der Wener-Lau-Website vorhanden und sind dort ebenfalls verschwunden. Wahrscheinlicher als die Einbruchgeschichte war, dass man dem Nachfolger einige Steine in den Weg legen und diese Karten nicht zugänglich machen wollte.
Tauchgänge mit 60 Minuten (anstelle der vielerorts üblichen Limits auf 40-45 Minuten) waren hier, ausreichend Luft in der Flasche vorausgesetzt, selbstverständlich.
Die Basis
Noch ein paar Worte zur Basis: Geräumig ist sicher der treffende Begriff. Das gilt für die Unterbringung von privater Ausrüstung in einem großzügigen Trockenraum mit zwei durchnummerierten Bügeln pro Person (Anzug, Jacket) und Kisten für den restlichen Kram, das trifft auf Aufbauplätze für die Ausrüstung und Sitzmöglichkeiten zu. Genügend Platz zum Spülen war vorhanden, alles irgendwie gut durchdacht und geeignet. Nur die Tauchermassen, die ich noch von früher auf den Malediven kenne, gab es so nicht mehr.
Insgesamt wirkte die Einrichtung an einigen Stellen allerdings auch ziemlich in die Jahre gekommen – was für Einrichtung und Gebäude galt, nicht für die Ausrüstung. Interessanterweise begannen wenige Tage vor der Schließung dann zügig Bauarbeiten, um alles etwas zu verschönern.
Der Wechsel
Es war ein schöner Tauchurlaub auf einer Tauchbasis mit Mitarbeitern, die bis zum letzten Arbeitstag gut gelaunt und motiviert waren. Nur die mediale Schlacht der Geschäftsleitung rund um den Wechsel, die sehr darum bemüht war, die neue Basis in einem schlechten Licht darzustellen, hatte einen unangenehmen Beigeschmack. Da gab es wohl tiefreifende geschäftliche Differenzen, die man so aber nicht in der Öffentlichkeit austrägt.
Aber auch die neue Basis sorgte für etwas berechtigten Spott: Guides, die die Tauchplätze nicht kennen und neu erkunden müssen (siehe: „Karten“), eine PADI-5-Sterne-Auszeichnung, die es noch vor Eröffnung gab. Fehlende Ausrüstung, ausschließliche Hausrifftauchgänge und anderes sind Dinge, die man mit etwas Anlaufzeit in den Griff kriegen wird. In der Übergangsphase ist es für Gäste aber sicher sehr ärgerlich, da das Tauchen auf den Malediven eben nicht sehr preiswert ist. Den eigentlichen Unzulänglichkeiten, die so gar nicht zur Werbung auf der Hotelwebsite passten, war man sich offenkundig aber bewusst. Warum sonst wurde an meinem Abreisetag mit kostenlosen Tauchtagen geworben? Für neue Gäste gilt daher sicher erst einmal eine kritische Recherche.
Tauchen, Tauchbasis, Malediven, Werner Lau, Filitheyo, Faafu-Atoll