Scuba Caribe, Playa del Carmen (Riu Yucatan), Mexiko

Scuba Caribe

Als ich das erste Mal mit ScubaCaribe tauchen war, war dies ein kleiner Tauchbasisbetreiber in der Dominikanischen Republik. Zwanzig Jahre später ist der Anbieter stark gewachsen, überall in der Karibik zu finden und sogar auf Expansionskurs hin zu den Kapverden und den Malediven. In den meisten Fällen erfolgt das in Kooperation mit der RIU-Hotelkette, d.h. ScubaCaribe übernimmt als „externer“ Dienstleister das Wassersportangebot in den All Inclusive – Hotels der RIU-Kette und betreibt damit auch die Tauchbasen.

 

Dieser Bericht beschreibt die ScubaCaribe-Niederlassung im RIU Yucatan nahe Playa del Carmen auf der Yucatan-Halbinsel von Mexiko. Andere Basen des Anbieters können anders sein.

Kombinationswahnsinn

Vor dem Aufenthalt hatte ich mir überlegt, wie viele Tauchtage und Tauchgänge wohl möglich sind und welche Gebiete ich sehen möchte. Dazu muss man wissen, dass man das Tauchrevier an der Riviera Maja grob in drei Bereiche einteilen kann. Lokale Tauchgänge gleich am Riff an der Küste vor dem Hotel (alle mit Boot), Tauchgänge vor Cozumel am zweitgrößten Barriereriff der Welt und Tauchen im Dschungel in den Cenoten, den Süßwasserhöhlen.

Den Aufwand, nach Cozumel rüberzufahren und dort zu tauchen, wollte ich diesmal umgehen. Der Schwerpunkt sollte auf den Cenoten liegen. Auf der Website von ScubaCaribe werden die unterschiedlichsten Pakete angeboten und wer in der Lage ist, seine Tauchziele vorweg zu planen, sollte ganz genau rechnen, welches der Pakete das richtige ist. Man unterscheidet zwischen lokalen Tauchgängen, Tagestouren in die Cenoten und nach Cozumel, reinen Ausflugspaketen mit separat zu buchenden Tauchgängen und diversen Kombinationen. Nachdem ich recht genau ausgerechnet hatte, welches Paket optimal war, wollte ich einen Gegencheck machen und schilderte in einer Mail mein Wunschprogramm mit der Bitte um Empfehlung fürs richtige Angebot. Die Antwort war ernüchternd: Es war eine Mail aus Textbausteinen, die nur wiederkaute, was auf der Website stand und keinen Bezug zur Anfrage hatte.

Check-In

Mit dem Voucher für das gewählte Tauchpaket und der eigenen Ausrüstung im Gepäck ging es nach Mexiko. 6 Tauchgänge in den Cenoten und 6 Tauchgänge an der Küste sollten es werden.

Beim Check-In war der Voucher das wichtigste. Alternativ wäre es die Kreditkarte gewesen, denn Tauchpakete sind immer in Voraus zu buchen und zu bezahlen. Man muss sich also absolut klar sein, was man will. Im Zweifelsfall dürfte die Basis zum nächstgrößeren Paket beraten.

Der übliche Meldebogen und die Gesundheitserklärung (beides PADI-Standardformulare) wurden ausgefüllt, das mitgebrachte tauchsportliche Attest interessierte nicht. Eine Notiz zur vorhandenen Versicherung wurde auf dem Anmeldebogen gemacht, vom Brevet die Eckdaten abgeschrieben und ein mehr als flüchtiger Blick ins Logbuch geworfen.

Dann wurde bereits der Tauchplan für alle zwölf Tauchgänge festgelegt. Die Tage für die Cenoten-Touren bestimmt und restlichen Tauchgänge auf einen oder zwei Tauchgänge am Tag oder einen Double Tank an einem Vormittag, dazu gleich mehr, aufgeteilt.

Das Programm stand, nächster Kunde bitte ins Büro oder an den Verkaufsschalter. Auf die Frage, ob ich meine Ausrüstung in der Basis deponieren könnte, hieß es: Komm später wieder, alle haben Mittagspause. Die Zeit läuft in der Karibik eben anders. Doch nach dem Mittag war es dann kein Problem.

Lokale Tauchgänge

Alle Tauchplätze werden in 5-20 Minuten mit dem Boot angefahren. ScubaCaribe verfügt über ein großes, leistungsstarkes Schnellboot. Am Strand in der Hotelzone bieten zahlreiche Tauchbasen ihre Dienste an. Ich hatte den Eindruck, dass dieser Anbieter die modernsten und geräumigsten Boote einsetzte.

Normalerweise geht es morgens zu einem tieferen Tauchplatz (20-30 Meter) und am Nachmittag zu einem flacheren Tauchgebiet (8 - 14 Meter). Gelegentlich werden Double Tank – Dives angeboten, dass ist die eher hektische Variante: Ein tieferer Tauchgang, maximal 30 Minuten Oberflächenpause zum Flasche wechseln und zur Anfahrt des neuen Tauchspots, dann nächster Tauchgang.

 

Alle Tauchgänge vor der Küste sind Strömungstauchgänge. Vom Boot ins Wasser springen, abtauchen, der Strömung folgen und zu einem verabredeten Zeitpunkt wieder auftauchen. Das Boot sammelt dann die Taucher ein. Das bedingt, dass der obligatorische Sicherheitsstopp 3 Minuten / 5 Meter gut austariert im Freiwasser gemacht wird. Dekotauchgänge finden nicht statt. Erstaunlicherweise sind Boje und Reel nicht verpflichtend, nur der Guide führt dies mit. Mit etwas Erfahrung sollte dies aber in solchen Gewässern zu Ausrüstungsgegenständen gehören, die jeder ohnehin dabei hat, unabhängig den Regeln der Basis. Auf jeden Fall fällt man auf, wenn man so etwas selbst mitbringt.

Völlig unverständlich sind die Limits: Es wird erwartet, dass 120 bar angezeigt werden, bei spätestens 80 bar muss der Tauchgang beendet und der Sicherheitsstopp im Flachwasser eingeleitet werden. Die Tauchzeit wird auf 45 Minuten begrenzt. Bei Tauchgängen, die häufig im 10-12 Meter Bereich stattfinden, bringen geübte Taucher die 12l-Aluflaschen regelmässig halbvoll zurück.

Nitrox wird übrigens nicht, auch nicht gegen Aufpreis angeboten. Bei den Tauchprofilen ist es aber auch völlig überflüssig.

Ablauf lokale Tauchgänge

An der Basis werden die Anzüge und Jacket angezogen, alles andere nimmt man in die Hand. Dann gibt es ein Standardbriefing, bei dem man etwas über Zeichen, Einstieg und Ausstieg und Limits erfährt, aber nichts zum Tauchplatz. Später wird in festgelegten Gruppen hinter dem Guide hinterher getaucht.

Ein kleiner Fußweg über den Strand folgt. Das Boot dümpelt dann vor der Küste in der Brandung, je nach Wasserstand watet oder schwimmt man nun zur Einstiegsleiter. Stege gibt es nicht. Einmal war die Brandung so stark, da erfolgte der Transport in Kleingruppen zu zwei Personen mit einem Katamaran.

An Bord hat die Mannschaft die Flaschen bereitstehen, die Ausrüstung wird zusammengebaut und geprüft. Blei gibt es als lose Bleistücke ebenfalls an Bord. Das zumindest ist eine Verbesserung zu früher, denn da musste man das Blei jedesmal von der Basis zum Boot und zurück schleppen. Jetzt bleibt es an Bord. Keine Frage, in Puerto Aventuras mit dem eigenen Steg der Dressel Divers ist es definitiv komfortabler, aber hier, bei Puerto Del Carmen, hat keine Basis diese Möglichkeit und alle kommen nur auf dem Schwimmweg zum Boot.

Am Ende des Tauchgangs sammelt das Boot die Taucher ein, wobei es zu Wartezeiten kommen kann, wenn mehrere Gruppen auf dem Boot sind. Und dann geht es wieder zurück zum Strand. Das Boot hält vor der Küste, die Flaschen bleiben auf dem Boot. Die rechtliche Ausrüstung nimmt man mit. Damit schwimmt man dann bei mitunter guter Brandung an den Strand. Jeder Taucher lernt sehr früh, dass die erste Stufe des Reglers trocken zu halten ist. Bei diesem Manöver ist das bei einem DIN-Anschluss und der typischen kleinen Plastikkappe, die da drauf sitzt, nahezu unmöglich. Die direkt nach dem Tauchurlaub durchgeführte Revision zeigte dann auch, wie böse dies dem Gerät zusetzen kann.

Cozumel

Diese Beschreibung ist aus dem Jahr 2005. Danach hatte ich keinen Wunsch mehr, mit Scuba Caribe die Cozumel-Tour zu wiederholen:

Das größte Barriereriff der Welt liegt vor Australien. Das zweitgrößte Barriereriff beginnt in Mexiko bei der Insel Cozumel direkt vor dem Ort Playa del Carmen und zieht sich bis nach Belize. Scuba Caribe, die zum RIU-Hotelkomplex gehörende Basis, bietet neben zahlreichen anderen Anbietern täglich Tagesausflüge nach Cozumel mit zwei Tauchgängen an. Durchgeführt werden sie dann, wenn eine ausreichende Teilnehmeranzahl zusammenkommt.

Man trifft sich an der Basis, packt sein Gerödel zusammen und steigt in das von der Tauchbasis organisierte Taxi oder den bereitstehenden Minivan. So geht es zum Hafen von Playa del Carmen. Zusammen mit dem Guide der Tauchbasis Scuba Caribe geht es danach an Bord der Schnellfähre nach Cozumel. Achtung: Diese Fähre ist mit einer Kühlkammer zu vergleichen, die Klimaanlage ist auf Extremwerte eingestellt.

Im Hafen von Cozumel wartet das Tauchboot. Scuba Caribe unterhält auf Cozumel keine eigene Infrastruktur. 2005 hat man mit der örtlichen Tauchbasis Blue Angel Dive Shop zusammengearbeitet.

Blue Angel Dive Shop stellt das Boot, einen Teil der Crew und zusätzliche Guides sowie Flaschen und Blei. Das Boot war in einem nicht wirklich überzeugenden Zustand, ganz anders als die Scuba Caribe eigenen Schiffe: Zu klein für die Anzahl der Taucher, ein Sonnendeck, dass wegen geringer Traglast nur von wenigen Gästen genutzt werden konnte und eine Pumptoilette ohne Fäkalientank sind sicher nicht mehr der Standard, der heute erwartet werden darf.

Nach gut einstündiger Fahrt waren wir an einem der Tauchspots des Palancar-Riffs. Hier erfolgte der erste Tauchgang, danach ging es wieder Richtung Hafen von Cozumel zurück. Unterwegs wurde der zweite Tauchgang durchgeführt. Vor dem Erreichen des Hafens legten wir bei der Basis Blue Angel Dive Shop an, hier gab es einen kleinen Snack. Danach ging es wieder zurück zum Hafen von Cozumel, anschließend mit der Schnellfähre und dem Minivan zum Hotel.

All dies klingt zunächst einwandfrei organisiert. In der Theorie war es das auch, in der Praxis sorgte die Hektik des Scuba Caribe - Guides dafür, dass man zwischen Hafen, Boot und Minivan mitunter ziellos umhergeschickt wurde.

Für die Tauchgänge galt, dass alle Taucher dem Guide hinterher zu schwimmen hatten. Beim ersten Tauchgang wurde die Gruppe aufgeteilt und recht klein gehalten, so dass dies noch erträglich war. Beim zweiten Tauchgang jedoch mussten zehn Taucher einem Guide folgen, da auch hier eigenständiges Tauchen nicht erwünscht war. Rudeltauchen der abschreckenden Art.

Fazit

Scuba Caribe bietet karibische Standardkost auf einem Level mit ganz viel Luft nach oben. Das betrifft Abläufe, Kommunikation und Kundenfreundlichkeit genauso wie willkürliche Limite. Lediglich durch die Boote wird der Schnitt etwas gehoben. Cozumel sollte man mit dieser Basis nicht besuchen, obwohl das Tauchziel grundsätzlich lohnt. Insgesamt im Verhältnis zur gebotenen Leistung ist das Angebot deutlich zu teuer. Das Tauchen in den Cenoten hingegen ist ein ganz anderes, deutlich besseres Kapital. Darauf gehe ich in einem separaten Bericht ein.

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