Soca, Slowenien

Wird in Paddlerkreisen von einem Wildwasser-Traumfluss gesprochen, dessen Wasser irgendwo zwischen smaragdgrün und kristallklar schimmert, so ist man ganz schnell in Slowenien. Dort an der Soca ist nicht nur eine Kanutenhochburg, sondern auch eine perfekte Infrastruktur für Paddler zu finden: Flussnahe Campingplätze, mehrsprachige Infotafeln an jedem Ein- und Ausstieg, direkt am Fluss beschilderte Streckenabschnitte mit Angaben der zu erwartenden Schwierigkeiten.

Rafting auf der Soca 2009 

Flussabschnitte wie die "Hausfrauenstrecke" für Einsteiger oder die "Friedhofsstrecke" und der WM-Slalom-Abschnitt sind bekannte Namen. Der Wassersport ist hier ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Kann oder will man hier nicht selbst im Kajak fahren, bieten Raftingunternehmen den Ritt im Wilden Wasser an. Doch nicht nur vor Ort kommt man an und auf den Fluss: Selbst von Österreich aus, wo ich mich für einige anderen Touren aufhielt, operieren Unternehmen und bieten Tagesfahrten an die Soca zum raften an. Klingt es zunächst absurd, fährt man von Österreich doch erst nach Italien und dann weiter nach Slowenien. Ausgehend von Flachau, von wo aus ACF (Adventure Center Flachau) operiert, sind das jedoch gerade mal 2,5 Stunden Fahrt. Ein guter Grund, den Paddler-Traumfluss einmal mitzunehmen, ohne mehrere Tage Urlaub in Slowenien einplanen zu müssen.

Plan A,...

Angekommen in Slowenien startet die Tour am Camp Toni direkt an der Mündung der Koritnica. Der Plan war, von hier aus erst wenige Kilometer im zunächst etwas anspruchsvolleren Wildwasser zu paddeln, danach gemütlich die leichte "Hausfrauenstrecke" zu fahren und dabei einige Rettungs- und Sicherheitsmanöver auf dem Fluss zu trainieren. Wildwasserschwimmen, Bergung von Schwimmern und den Wiedereinstieg nach einer Kenterung, dem sog. "Flippen" des großen, schweren Gummibusses. Dies sollte fit machen für das anspruchsvollere und technische Wildwasser auf den folgenden Abschnitten, so dass bis zum Beginn der WM-Strecke gepaddelt werden würde.

...der Pegel und...

An der Brücke bei Zaga befindet sich der wichtigste Referenzpegel. 50cm am Pegel gelten als Niedrigwasser, 100cm als Mittelwasser und ab 150cm besteht Hochwasser.

Vom kristallklaren, freundlichen Soca-Wildwasser war am Einstieg keine Spur: Eine brodelnde weiße Masse zog da reißend schnell an uns vorbei: Die Soca führte mit einem Wasserstand von rund 210cm am besagten Pegel erhebliches Hochwasser. Schon vorher wurde an der Touristik-Info, die auch die Erlaubnisscheine für die Befahrung der Soca verkauft, darauf hingewiesen, dass einige Abschnitte, die wir fest eingeplant hatten, für die Befahrung durch kommerzielle Anbieter aufgrund der hohen Wasserstände gesperrt seien, darunter die WM-Strecke.

...Plan B.

Plan B: So ist es mit dem natursport - nicht immer geht alles so, wie geplant. Also zur Ausweichlösung. Eigentlich war es die falsche Reihenfolge, aber man passt sich dem Fluss an und die Tour war für erfahrende Rafter ausgeschrieben: Direkt nach dem Start, war das Einstiegskehrwasser erst einmal verlassen, ging es zügig zur Sache: Erst erhöhte der Zufluss der Koritnica die Wassermenge, dann folgte ein wuchtiger Schwall auf den nächsten. Steine, die sonst zu umfahren waren, waren überspült und verlangten erhebliche Aufmerksamkeit. Paddlerschluckende Walzen hinter den Steinen mussten sicher von hohen, aber harmlosen Wellen unterschieden werden. Die Wasserkraft an einigen Stellen hätte locker ausgereicht, auch ein gut besetztes Raft wie ein Spielzeug durch die Luft zu wirbeln und umzuschmeißen. Doch unsere Guides fuhren meist perfekte Linien und so gab es keine Schwimmer. Nach rund der Hälfte der Strecke erreichten wir die normalerweise einfache "Hausfrauenstrecke". Nach dem vorherigen Abschnitte im Schwierigkeitsbereich von Wildwasser III+ (teilweise durch Hochwasser mehr) kündigte ein Schild an einer Brücke den leichteren Abschnitt mit Wildwasser I - II an. Dies sollte jedoch aufgrund des Wasserstands eher II+, manchmal III und an wenigen Stellen dann doch Wildwasser I sein. Dieser Abschnitt ist geprägt von zahlreichen Verästelungen der Soca in Nebenarme, immer mal wieder Holz und vor allem zahlreichen Kiesbankschwällen.

Am Ausstiegspunkt Srpenica angekommen wurde nach einer kurzen Mittagspause das Boot verladen und der gleiche Abschnitt, da er nicht sonderlich lang war, erneut befahren. Sozusagen als "Plan B", da der folgende Abschnitt nicht befahrbar war. Unterwegs sind zahlreiche Gruppen von Kajakfahrern zu sehen. Ach ja, denke ich mir. Bei weniger Wasser müsste ich das auch mal in Angriff nehmen… Und so wird mit nur wenig Fantasie klar, welchen Charakter dieser Fluss bei normalem Wasserstand hat und vorher er seinen Ruf nimmt: Ein Traum.

Auf dem Rückweg schauten wir uns von einer Brücke noch den wegen des Wasserstandes ungeeigneten Abschnitt an - die Entscheidung, hier nicht zu paddeln, war richtig.

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