Dalaman River (2009), Türkei (transnature)

Schon in meinem Bericht von 2004 hatte ich eine Rafingtour auf dem Dalaman beschrieben. Inzwischen hat sich einiges geändert, so dass es eine gute Idee ist, den Bericht auf den neuesten Stand zu bringen.

Dalaman River, Rafting 2009 

Anfahrt

Es geht früh los: Morgens um 06:50 ist der Bus am Hotel, um uns abzuholen. Nach Lykia World in Ölüdeniz geht es nach Fethiye, wo wir in einer endlosen Rundfahrt weitere Teilnehmer auflesen. Dann steht die gut einstündige Fahrt in Richtung Dalaman Flughafen an, bevor wir die Hauptstraße verlassen und in Richtung der Ausläufer des Taurus-Gebirges abbiegen.

Ausstattung

Eine geschätzte Stunde später haben wir die Basisstation der Raftingcomapny erreicht - strategisch gut gelegen nur wenige hundert Meter vom Ausstieg entfernt in der Region Akköprü. Hier sammeln sich die einzelnen Kleinbusse mit den actionhungrigen Gästen aus der Region. Nach kurzer Begrüßung geht es zur Materialausgabe - für jeden gibt es Helm und Schwimmweste. Das Material ist akzeptabel, hat aber schon die eine oder andere Saison des hektischen Verleihbetriebs hinter sich. Insgeheim sage ich mir, dass es eine gute Idee war, Kajakschuhe und Neopren-Lohn-John ins Gepäck zu packen, denn solche Ausrüstung gibt es hier nicht.

Wasser?

Wenig später sitzen wir wieder im Transferbus, der uns zum Einstieg fahren wird. Über kurvige und nicht enden wollende Bergstraßen geht es zum Einsetzort. Unterwegs wird eine Pause eingelegt. Ein Guide schaut auf die Uhr und entscheidet dann, dass die Pause länger ausfallen kann, obwohl die Zeit schon gut fortgeschritten ist. Wieso sich der Stopp dennoch ausdehnt, erfahren wir später. Am Fluss angekommen, sehe ich eine Überraschung, die ich von meiner Tour aus dem Jahr 2004 nicht mehr in Erinnerung habe: Ein gewaltiges Stauwerk wurde hier errichtet (damals gab es hier eine große Baustelle). Der Fluss unterhalb des Stauwerks ist fast trocken. Wo ist nur das Wasser hin?

Nun beginnt die Phase der Einweisung: Verteilung auf die Boote, Besprechung der Paddelkommandos, Sicherheitshinweise und simulierte Rettungsübung mit dem Wurfsack. Was die Ausrüstung nicht vermuten läßt, scheint sich aber in der Technik zu zeigen. Anders als ich es in anderen Ländern erlebt habe, scheinen sie hier ihr Geschäft zu verstehen.

Nun wird das Boot zum Fluss getragen - oder besser: Zu einem Rinnsaal, der übrig geblieben ist. Wir nehmen im Boot Platz und gehen ein letztes Mal die Kommandos im Trockenen durch. Und wo paddeln wir nun? Wir stehen hier in einem fast trockenen Kiesbett zwischen großen und kleinen Steinen, Stufen und Geröllhalden. 13:00 Uhr. Ein Alarmsignal ertönt. Pünktlich wird ein Auslass am Stausee geöffnet und der Bach geflutet. Nur wenige Minuten später hat der Dalaman River eine beträchtliche Höhe erreicht und wir werden von unserem Standort weggespült und den Fluss heruntergetrieben, dort wo vorher nur ein Kiesbett war.

Kuriosum: Wasser auf Knopfdruck, paddeln nur zu festgelegten Zeiten.

Damit ist auch das genaue Zeitmanagement zur Pause während der Anfahrt geklärt. Die Spülung vorher hätten wir wohl verpasst.

Auf dem Fluss

Der Dalaman ist ein Fluss, der sich durch eine traumhafte Landschaft schlängelt. Seine Schwierigkeiten liegen irgendwo zwischen Wildwasser II (nur sehr selten), WW III (häufig) und WW IV (einige Kernstellen).

Nach zwei Dritteln der Tour sehen wir bei einem Blick ans Ufer, dass man hier nicht zu lange trödeln darf. Anhand der Wasserstandslinie erkennen wir, dass das Wasser zügig abfliesst. Wir waren auch nicht wirklich schnell unterwegs: Da hier mehrere Boote dicht hintereinander fahren und die Guides an den Kernstellen die Gruppe immer wieder sammeln und geordnet nacheinander durch die Felsbarrieren lotsen, wärend dabei vom Ufer recht vorbildlich gesichert wird, geht viel Zeit ins Land.

Kurz nach dem Start und den ersten Stromschnellen und Stufen zum "warmpaddeln" - der Dalaman ist ungefähr 15 Grad warm - beruhigt sich der Bach. Hier gönnen sich die Guides meist eine erste Showeinlage. Zielgerichtet wird das Boot auf einen Felsen am Ufer gesteuert, ein Kommando wird falsch gegeben und schon ist die Kenterung sicher. Dies passiert aber nur in Abschnitten, in denen das Wasser hinterher hindernisfrei und verhältnismässig ruhig ist. Genügend Gelegenheit also, alle Schwimmer gefahrlos wieder einzusammeln.

Unterwegs kommt eine Schlüsselpassage, bei der kommerzielles Rafting aus gutem Grund verboten ist: Wildwasser Iv+ bis V, ein völlig unübersichtlicher verblockter Steilabfall mit nicht ungefährlichen Unterspülungen. Die Gäste steigen vorher aus, klettern am rechten Ufer über Felsen an der Passage vorbei und können unterhalb des Abschnitts wieder einsteigen. Die Guides hingegen steuern die großen schweren Boote alleine (!) durchs schwere, tosende Wasser.

Gleich danach geht es weiter: Es folgen einige Stromschnellen und Stufen im dritten und vierten Schwierigkeitsgrad, dann wird der Fluss ruhiger.

Gegen Ende unterqueren wir eine uralte historische Brücke, einen malerischen Torbogen über eine große Schlucht. Danach rauscht es wieder. Lächelt meint der Guide, dass dies jetzt die Stromschnelle für Schwimmer sei. Was er sagen wollte, ist schnell erklärt: Wer möchte, springt ins Wasser und läßt sich in der richtigen, vorher erklärten, Wildwasserschwimmhaltung einfach durch die Stromschnelle treiben. Kurz danach kommt der Ausstieg. Mordsgaudi: Alle Mitpaddler im Boot sind der Meinung, sie müssten da mal durchschwimmen. Fast alle. Ich entschließe mich dagegen und bleibt im Boot. Der Guide kommentiert die lakonisch mit "gut, dann bist Du Kapitän", springt ins Wasser und läßt mich im Raft zurück. Schön, wenn man etwas Erfahrung mitbringt und die unterschiedlichen Paddelschläge kennt. Doch klappt das auch im großen Gummibus? Mit einem halben Paddel? Und im Wildwasser? (Zur Erklärung: Normalerweise fahre ich im Einerkajak mit Doppelpaddel auf zahmen Gewässern, so rund 700 Kilometer im Jahr). Ja! Ok, es war ein Schwall ohne Verblockung, der über eine Felszunge im Wasser langgestreckt in einem leichten Winkel verlief. Zielgerichtet komme ich durch den Schwall und kann mir nicht verkneifen, dass Boot hinterher zu drehen und lehrbuchartig gegen die Stromrichtung anzulegen. Das musste ich einfach mal probieren...

Nach einem Zwischenstopp an der Raftbasis mit kleinem Schnack und obligatorischem Tourvideo ging es dann zu den Hotels zurück.

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