Rafting Camp Tirol

Das Angebot eines "Rafting-Camps" der Firma Faszinatour war genau das richtige, um das volle Wildwasserprogramm einmal durchzugehen. Es sollten 58 Raft-Kilometer im Wildwasser zwischen II und IV+ an drei Tagen werden.

Rafting Camp Tirol 2007, Ötztaler Ache 

Samstag

Inn: Imster Schlucht, Aufwärmtraining

Den Auftakt bildet, wie bei diesen Touren in Tirol üblich, eine Fahrt auf dem Inn durch die Imster Schlucht. Der Inn hat hier Wildwasser II bis III. Alle Walzen und Wellen des sehr zügig fließenden Flusses werden mitgenommen. Die Wellen erreichen dabei imposante Ausmaße, sie sind in den Kernstellen gerne mal 2-3 Meter hoch. Damit aber nicht genug: Als Vorbereitung auf die kommenden Tage und Fahrten gehören verschiedene Trainingsaspekte dazu:

Wildwasserschwimmen mit Wiedereinstieg ins Boot mit und ohne fremde Hilfe, Verhalten im Falle eines gekenterten Rafts. Letzteres wird dazu dann auch mal bewusst umgeworfen.

Der Pegel des Inn war bereits recht sportlich: Pegel Haiming/Magerbach: 305cm (Mittelwasser: 300cm, Niedrigwasser: 200cm)

Ötztaler Ache: Jetzt gehts zur Sache

Direkt nach dieser "Aufwärm"tour (Wassertemperatur: 8 Grad) geht es weiter zur unteren Ötztaler Ache, die mit sechs Grad zur Kühlung erhitzter Gemüter beiträgt. Die Kernstellen sind hier mit Wildwasser IV bewertet. An der Einstiegsstelle nur wenige hundert Meter unterhalb der berühmten Wellerbrückenstrecke geht es auf der im Vergleich zum Inn noch schnelleren und noch wuchtigeren Ötz auf zur zweiten Runde. Nach der Waldschlucht wird am Brunauer Wehr (~4 Meter, höllischer Rücklauf) mühsam umtragen, um sich dann in der "Construkta" richtig durchspülen zu lassen (was glaubt Ihr, wo dieser Name herkommt?)

Als Bezugspegel findet man online hier den Pegel Tumpen. Dieser wird aber offenbar nicht von den Raftingfirmen verwendet, der uns genannte Wasserstand wich doch erheblich von jenem Pegel ab.

In Ötz gibt es eine weitere Ablesestelle, die offenbar nicht im Internet zu finden ist. Wenn hier Mittelwasserstand (~150cm) erreicht ist, ist es mit dem kommerziellen Rafting vorbei - die Kehrwasser sind entweder verschwunden oder zu klein, die Ötz bereits zu wuchtig. Ohnehin gelten auf der Ötz für das kommerzielle Rafting erhöhte Sicherheitsvorschriften, was das Anforderungsniveau verdeutlicht: Zwei Guides müssen mit an Bord eines Rafts sein, dass jedoch nur mit maximal 6 Gästen besetzt wird. Kleine Kehrwasser zum Anhalten und das gefährliche Wehr lassen keinerlei Experimente zu.

Sonntag

Inn: Imster schlucht, mal ganz klein

Der nächste Tag stellt eine Steigerung dar:

Der Wasserstand ist gestiegen. Damit nicht genug. Rafting ist nicht unbedingt nur gemütliches Wildwasser-Taxi-Fahren im Großboot, wie wir heute erfahren. Es geht wieder durch die Imster Schlucht. Paolo, unser Guide, ein Italiener, der seit 12 Jahren in Tirol lebt und dort Wildwasser-Ausbildung macht, will heute auf sein Kajak umsteigen, da im Boot kein Platz für ihn sei. Im Bootslager sehen wir den Grund:

Die Strecke wird heute mit Minirafts für maximal drei Personen ohne Guide selbstständig gefahren. Ein Miniraft ist in etwa mit einem Wildwasser-Schlauchcanadier zu vergleichen, nur etwas breiter für die dritte Person, etwas drehfreudiger und mit einer Fahrweise im sitzen, nicht kniend. Damit wir Teilnehmer des Raftingcamps irgendwie durch die Fluten des Inn kommen, weißt Paolo im Kajak den Weg durch den Schaum…

Ohne von der Notwendigkeit eines Fingerflips Gebrauch machen zu müssen, kommen wir am Ziel an. Ein Fingerflip ist die einzige Möglichkeit, ein gekentertes Miniraft aufzurichten: Man packt an den Lenzöffnungen an und dreht es. Ganz einfach…?!?

Ötztaler Ache: Zweite Runde

Nächster Streich: Ötztaler Ache, zweite Runde. Mehr Wasser, endlich wieder große Boote :) und ein sportlicherer Kurs durch noch mehr Brecher.

Montag

Sanna

Am kommenden Tag wollen wir uns zum Abschluss noch einmal steigern:

Die Gruppe besteht nur noch aus 4 Paddlern mit einem Guide in einem großen Boot. Beim Veranstalter lesen wir noch einen ziemlich guten Kajakfahrer auf, der die kommende Strecke als Sicherheitsbegleitung zur Bergung von Schwimmern mitpaddeln wird:

Es geht auf die Sanna, die in den Kernstellen wie Pianser Schwall mit Wildwasser IV+ klassifiziert ist und damit an der Grenze dessen liegt, was kommerziell machbar ist. Einen wahnsinnigen Ritt später sind wir ohne Schwimmer am Ziel - besser so, die Sanna hatte mit 4 Grad Celsius die niedrigste Wassertemperatur aller Bäche. Pegel Landeck: 81cm (NW=70). Dies fand noch vor dem verherrenden Hochwasser statt, dass den Fluss massiv verändert und an einigen Schlüsselstellen etwas leichter gemacht hat.

Fazit

Obwohl gerade über Pfingsten absoluter Massenbetrieb herrscht, hatten die Touren unglaublich Spaß gemacht. Einige Strecken hatten es in sich und stellten eine sportliche Herausforderung dar. Das Miniraft ist dabei eine bemerkenswerte Besonderheit.

Kleine Rechenaufgabe: Der Veranstalter, bei dem ich war, fertigte - überwiegend auf den leichteren Touren - mehr als 100 Leute an einem Tag ab; allein im Ort Haiming am Ende der Imster Schlucht sitzen sechs Raftingfirmen...

Kommentareingabe einblenden