Köprü, Türkei

Die Flussführer im Internet berichten von traumhaften Schluchten im Taurusgebirge, im Hinterlage von Antalya. Schluchten, die von Wildwasserbächen durchzogen sind. Warum also nicht einmal einen Mittelmeer-Tauchurlaub in der Türkei mit einer Rafting-Tour verbinden? Die örtlichen Agenturen der Reisegesellschaften vermitteln diese Touren der Anbieter und übernehmen die An- und Abfahrtslogistik. So kam es, dass ich im September 2007 eine Raftingtour beim lokalen Anbieter "Get Wet", vermittelt über Gulet / Tan Tour (einem österreichisch-türkischem Ableger der TUI) buchte.

Rafting auf dem Köprü 2007 

Es sollte die dreizehnte Raftingtour werden. Touren im alpinen Schwerwasser (untere Ötztaler Ache und Sanna mit Wildwasser im vierten Schwierigkeitsgrad) sowie mehr als 1.000 im eigenen Kajak gepaddelte Kilometer auf zahmen Flüssen gingen voran, was sicherlich eine kritische Sicht auf die Tour zulässt.

Basislager I

Unsere erste Station ist ein "Basislager" von Get Wet am Eingang der Köprü-Schlucht, wenige Kilometer von Antalya entfernt. Nach der Unterzeichnung der obligatorischen Haftungsfreistellungserklärung folgt eine kurze Einweisung:

Fünf Paddelkommandos werden genannt (alle vorwärts / alle rückwärts / links vor rechts zurück / rechts vor links zurück / stopp), aber weder jetzt noch später vor der Fahrt werden diese praktisch geübt. Man bedenke, dass viele Teilnehmer zuvor noch nie auf dem Wildwasser unterwegs waren, in einem Raft saßen oder gar ein Paddel in der Hand hatten. Den Anweisungen des Guides für die Fahrt schließt sich eine kurze Trockendemonstration der richtigen Wildwasser-Schwimmlage an - das war es mit der Einweisung. Man will ja den Spaß mit übermäßigen Instruktionen nicht verderben. Keine Infos zur Rettung und Bergung, keine Demonstration des Umgangs mit einem Wurfsack - nichts dergleichen. Zur Erinnerung: Wir wollen eine Wildwassertour machen.

Stichwort Wurfsack: Warum sollte man es demonstrieren, wenn er ohnehin nicht mitgenommen wird? Hoffen wir zumindest, dass das eingesetzte Material besser ist, als jenes, dass zur Demonstration genutzt wird.

Basislager II

Von hier aus fahren wir weiter mit Kleinbussen in einer Kleingruppe durch die Schlucht zu unserem späteren Zielpunkt der Raftingtour. Direkt am Fluss hat Get Wet ein zweites "Basislager". Hier werden wir mit Schwimmwesten und Helmen ausgestattet. Das Material hat erkennbar mehrere Jahre hinter sich, ist teilweise notdürftig geflickt und muss teilweise bei der Ausgabe zurückgegeben werden, weil es schlicht nicht mehr verwendbar ist. Hat man schließlich brauchbare Ausrüstung bekommen, kann es losgehen.

Richtig, es fehlt noch etwas: Auf drängelnde Nachfrage einiger Gäste gibt es dann noch löchrig-dünne Neopren-Shortys, die teils auch eher Flicken gleichen. Gut, wenn man hier eigenes Material dabei hat. Anschließend folgt der Transfer zur Einstiegsstelle. Unterwegs kommen wir an weiteren Raftingfirmen vorbei. Insgesamt mehr als dreißig (30) Unternehmen buhlen hier um Kunden, doch dieses Kapitel behandele ich später.

Am Einstieg

Am Einstieg angekommen werden die Paddel verteilt - sie bestehen entgegen dem Demonstrationspaddel dann doch aus ganzen Stücken - und ab geht es in die Boote. Eine weitere Einweisung folgt nicht mehr. Erwartungsgemäß hat das zur Folge, dass sich die großen Schlauchboote so graziös über das Wasser bewegen wie ein humpelnder Tausendfüssler am Stock. Übrigens konnte man sich hier am Start auch noch für Zweierboote entscheiden. Es handelte sich dabei um Schlauchkajaks, also solche, die im Sitzen mit Doppelpaddel gefahren werden. Daneben existieren noch Schlauchcanadier (hier nicht im Angebot), die mit einem Stechpaddel (einseitiges Paddel) kniend gefahren werden. Warum einige Gäste nun im Kajak die kniende Haltung bevorzugten, blieb unklar. Vielleicht eine Folge fehlender Einweisung. Irgendwie wird man schon ankommen. Die Blätter der Doppelpaddel der Schlauchkajaks sind klassisch um 90 Grad verschränkt, was im Wildwasser schon lange nicht mehr zum Einsatz kommt, da es als unpraktisch gilt.

Unterwegs

Die eigentliche Tour beginnt gleich mit einer Fahrt durch einen leicht in einer Flussbiegung liegenden Katarakt (verblockter Schrägabfall) über 3-4 Meter; nicht sehr steil, aber langgezogen und mit wuchtigen Wellen versehen ist er eine spritzige Einleitung und kann gerade die kleineren Zweierboote mächtig hochwirbeln.

Dann soll längere Zeit nichts weiter an Schwierigkeiten kommen. Der Köprü - Fluss ist ein nur mäßig schnell strömender, recht breiter (20-30 Meter) Bach mit warmen, glasklarem Gebirgswasser (rund 15-18 Grad), die in eine traumhafte Landschaft eingebettet ist. Alleine dies ist bereits absolut sehenswert und verzeiht etwas von den organisatorischen Mängeln. Natur pur zum Geniessen.

Von wuchtigem Wildwasser aber ist keine Spur. Erst nach ein paar Paddelkilometern geht es wieder "etwas zur Sache": Die Hindernisse nehmen nun etwas zu, sie sind aber stets überschaubar und könnten sogar für weniger geübte Paddler (insbesondere durch die Kajakfahrer) problemlos gemeistert werden - oder einfach an Land umtragen werden. Meist handelt es sich um Kiesbankschwälle, die den zweiten (von sechs = extrem bis unbefahrbar) Schwierigkeitsgrad nicht übersteigen. Mal liegt ein Fels im Stromzug und kann einfach rechts oder links umfahren werden (offen sichtbare Durchfahrten). Ein anderes Mal hat man es mit einer kurzen schrägen Sohlrampe zu tun.

Das unglaublich klare Wasser tut ein übriges, um Hindernisse zu erkennen und einzuschätzen. Für das gewaltige Raft ist das alles wie eine langsame Butterfahrt. Die Paddler im Schlauchkajak haben ein bisschen was zu tun und sind die einzigen, die das Wasser direkt erleben dürfen - was aber ohne Einweisung und Vorkenntnisse sicher nicht immer so einfach ist, wie es hier klingt. Tatsächlich gab es an steinigen Stellen, die zu Schwimmeinlagen nach Kenterungen führten, sogar Verletzte unter den Schlauchkajakfahrern...

Von Guides...

Die Guides haben hauptsächlich den Job, durch Steuerschläge und die richtigen Kommandos das Raft auf dem richtigen Kurs zu halten. Unser Guide war da - drücken wir es vorsichtig aus - etwas unerfahren: Jedes Steinhindernis am Flussrand oder in der Strömung wurde von ihm trotz der sehr offenen Charakteristik des Flusses nahezu zielgerecht gerammt. Jede größere Welle dagegen planlos umfahren...

Als es unserem Guide einmal gelang, einen sinnvollen Kurs zu steuern und zu kommandieren, gab es spontanen Gruppenapplaus. Die Guides schienen es eher als ihren Job anzusehen, als Animateure zu arbeiten und während der Fahrt Kinderspielchen zu machen: Spritzattacken auf andere Boote, rammen der Mitpaddler, oder einfach nach der Methode "Entern oder Kentern" durch den Bach. Bloß nicht richtig paddeln.

...und Pausen

Zwölf Kilometer paddeln, zwei Pausen nach sechs und nach insgesamt neun Kilometern. Eindeutig zuviel, aber immerhin eine Möglichkeit für den Anbieter, die mitgeführten Getränke zu überteuerten Preisen zu verkaufen.

Die anderen

"Ihr habt Glück, heute ist nicht viel los. Es sind nur so an die 40.", meinte der Reiseleiter zu Beginn der Tour. Erste Annahme: 40 Leute bei 8-10 Mann pro Raft, einige Paddler noch mit Zweierkajaks unterwegs... Das scheint wirklich moderat. Aber er meinte etwas anderes: Die Gesamtsumme aller Aktiven aller ansässigen Firmen, ausgedrückt in der Zahl der Boote!

Teilweise herrschte so ein Gedränge auf dem Bach, das man trockenen Fußes von einer Uferseite zur anderen kam - einfach über die Schlauchboote klettern. Was denn zur Hochsaison los sei, wurde der Reiseleiter gefragt. "Ja, so an die 500 sind es dann." Boote, nicht Leute, wohlgemerkt. "Dann wird schon mal nach engem Zeitplan im Akkord gegessen und gepaddelt." (*) Haben wir es nicht richtig gut gehabt?

(*) Stichwort "andere Unternehmen": Anfangs habe ich ein paar Worte zur Ausrüstung bei Get Wet geschrieben - bei anderen Anbietern gab es teilweise nicht einmal Helme (im Wildwasser völlig unverzichtbar). Schwimmwesten durften - wohl aus Gründen der Bequemlichkeit - auch mal offen getragen werden. Purer Leichtsinn.

Fazit

Rafting in der Köprü - Schlucht so wie beschrieben: Zum Abgewöhnen. Mit einer anderen Gesellschaft - vielleicht besser, wahrscheinlich aber nicht. Selbst einmal dort paddeln und die Natur genießen: Ein Traum, der wohl auch einer bleiben wird.

Eines sollte bei der Bewertung dieser Tour aber nicht vergessen werden: Die Türkei hatte einen sehr heißen Sommer hinter sich, der Wasserstand kann als extrem niedrig angesehen werden. Wie sich der Fluss bei anderen Wasserständen verhält, ist bei nur einer Tour nur schlecht einzuschätzen.

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