Saalach

Sprachlos.
Den unten stehenden Bericht habe ich im Jahr 2005 geschrieben. Der Presse ist zu entnehmen, dass es über Pfingsten 2015 zu einem katastrophalen Brand auf dem Gelände des Anbieters gekommen ist. In dem zentralen Gebäude, einem 800 Jahre alten Bauernhof, ist in einer Nacht ein Feuer ausgebrochen, dass zu Opfern unter den Gästen führte. Schon im damaligen Bericht hatte ich von der Übernachtungsmöglichkeit in dem Gebäude geschrieben. Inzwischen ist in der Öffentlichkeit bekannt geworden, dass es für die Nutzung als Übernachtungsbetrieb keinerlei Genehmigung gab, weil Brandschutzauflagen nicht zu erfüllen waren. Weiter wurde in den Medien berichtet, dass Ermittlungsverfahren laufen und der Geschäftsführer des Unternehmens wegen Fluchtgefahrs in Untersuchungshaft genommen wurde. Die Firma Straub gibt es inzwischen nicht mehr.

Nach den beiden Wildwassertouren im Jahr 2004 war klar, dass dieser spannend-nasse Spaß 2005 eine Fortsetzung finden würde. Nicht klar war vorher jedoch, dass daraus ein Bericht auf dzwiza.de entstehen würde, der als einer der ganz wenigen ohne Bildmaterial auskommen muss. Die Kamera des Fotografen wurde in den Fluten der Saalach weggespült. Aber der Reihe nach:

Auf der Suche nach einem passenden Ziel wurde ich auf der ITB, der Tourismus-Messe in Berlin, im Frühjahr 2005 fündig. Hier präsentierte die Firma Straub ihr Angebot, welches mich sowohl dort als auch später bei der Internet-Recherche und eMail - Detailfragen überzeugte.

Straub sitzt in einem Dorf, das nicht einmal ein richtiges offizielles Ortsschild hat. Schneizlreuth hat zwölf Häuser und liegt im Berchtesgadener Land, gut 15 Autominuten von Bad Reichenhall entfernt an der Straße Richtung Lofer in Österreich und direkt an der Saalach. Die Anreise mit dem eigenen Wagen ist unbedingt anzuraten. Zwar gibt es eine Bushaltestelle im Ort, die Häufigkeit der Anbindung ist jedoch nicht wirklich erwähnenswert. Wer sein Quartier in einem der größeren Orte im Umland hat, was auf die meisten Gäste zutreffen dürfte, ist auf sein Fahrzeug angewiesen. Daneben besteht - nach entsprechender Buchung - die Möglichkeit, direkt auf dem Firmengrundstück von Straub zu campen oder einen Platz im Bettenlager eines rustikalen Bauernhauses zu bestellen.

Es regnet in Strömen

Wenige Tage vor der Tour hatten massive Regenfälle das Berchtesgadener Land heimgesucht. Gebannt starrte ich täglich auf die Pegelmessungen der Saalach. In der Spitze schwoll der Wasserstand an einer Messstelle auf über 300cm an und machte jeden Wassersport unmöglich. Hochwasser ist bei der Pegelstelle in Unterjettenberg erreicht, wenn der Fluss 55 cm Wasser führt. Rechtzeitig zur geplanten Tour normalisierte sich dies jedoch wieder.

Tourwahl

Straub bietet drei Raftingtouren an. Eine gemütliche "Familientour" auf einem eher ruhigen Abschnitt der Saalach mit maximal Wildwasser II.

Die Standardstrecke, die Tour "Totale" beginnt etliche Kilometer vor der einfachen Tour, wo der Fluss noch ein intensiveres Erlebnis bis in den dritten Schwierigkeitsgrad verspricht.

Auf die dritte Tour werden Gäste nur nach einem intensiven Wildwassertraining und Sichtung der Fähigkeiten der Paddler mitgenommen: Es handelt sich um einen Rafting - Ritt durch die sog. Teufelsschlucht bei Wildwasser V, der Grenze dessen, was als befahrbar gilt. Ich wählte die Tour "Totale".

Auf dem Hof von Straub in Schneizlreuth stand zu Beginn der Tour die Materialausgabe an. Trotz Massenabfertigung von rund 60 Paddlern und acht Booten ging es einigermaßen geordnet zu. Ausgestattet mit dem nötigen Neopren, Long John, Jacke und Socken sowie Helm und Schwimmweste konnte das Einkleiden beginnen. Ergänzt um einen selbst mitgebrachten dünnen Thermounterzieher und Neoprenschuhe wurden wir fertig bekleidet auf zwei Busse verteilt. Diese brachten uns zu unserer Einsetzstelle in Au/Lofer in Österreich. Von hier aus galt es dann, bis vor die Haustür des Veranstalters, rund 15 Flusskilometer, wieder zurückzupaddeln.

Ein Test zu Beginn

Im Bus wurde die obligatorische Haftungsfreistellungserklärung ("Ihr braucht das nicht alles lesen, aber bitte unterschreiben") herumgereicht. Jeder hatte dies zu unterzeichnen. Am Ziel, der Einstiegsstelle "Marina" in Au/Mayerberg in Österreich, folgte ein umfassendes Einweisungsgespräch in die richtige Paddeltechnik. Kommandos wurden durchgesprochen und im Trockenen geübt. Ebenso wurde das richtige Verhalten in Notsituationen besprochen und geprobt. Dann stand die erste Überraschung an, die sicher nicht jeder auf der Rechnung hatte:

"Ihr habt doch alle unterschrieben, dass Ihr schwimmen könnt", meinte unser Guide. Ein Nicken oder ein gegrummeltes "ja" war zu vernehmen. "Das will ich jetzt auch sehen. Dort ist der Fluss!"

"Der macht wohl Scherze", dachte sich sicher der eine oder andere. Doch dem war nicht so. Wir gingen zu einer Stelle, an der man die Böschung hinuntersteigen konnte. Hier war das Wasser in einer Art Rücklauf, Kehrwasser genannt, ruhig. Es galt, an dieser ruhigen Stelle ins Wasser zu gehen, sich ein paar Meter in den Fluss zu bewegen und schon wurde man von den Fluten erfasst. Die Aufgabe bestand darin, in der richtigen Wildwasserschwimmlage auf dem Rücken und mit den Füssen nach vorne einen Felsblock rechts zu umschwimmen und dann mit der richtigen Kraultechnik schnell ans linke Ufer zu gelangen. Das Neopren wurde das erste Mal nass. Die Träger des selbigen auch. Der erste Wasserkontakt war noch kalt - ganze 11 Grad hatte die Saalach. Gemessen an dem Inn im letzten Jahr, der es nur auf acht Grad brachte, regelrecht warm.

"Tour Totale"

Kurz nach diesem Test, den alle erfolgreich absolvierten, ging es auf die Boote. Nach einem ersten Einpaddeln forderte uns der Guide richtig heraus. Die Kommandos prasselten im Höchsttempo auf uns ein. Nach anfänglichem Chaos kehrte etwas Ordnung ein. "Hier ist der Fluss ruhig, aber wenn es nachher zur Sache geht, dann wird Euch klar sein, warum wir das eben so intensiv geübt haben. Ich will dann Einsatz von wirklich allen! Naja, es war nicht schlecht (aber auch nicht wirklich gut). Ihr schafft das schon irgendwie." Verhaltenes Lob vom Guide.

Die erste schwierige Stelle wartet auch nur wenige Paddelmeter weiter: Das "Auer Loch" war zu überwinden. Hier nimmt das Gefälle zu, was natürlich schnellere Fahrt bedeutet. Gleichzeitig ist der Fluss hier stärker verblockt, eine Reihe von Hindernissen sind zu umpaddeln. Danach geht es über mehrere Schwälle weiter.

Unser Guide verriet uns den Namen der nächsten Schwierigkeit, den "Magnetstein". Diese Stelle hat diesen Namen bekommen, weil ein Fels so im Wasser liegt, dass er Boote magnetisch anzuziehen scheint. Nur rechtzeitige Reaktion hilft, an dem Hindernis vorbeizukommen und nicht am Fels festzusitzen.

Pause? Nicht ganz...

Nach einer Reihe weiterer Hindernisse steuerten wir auf eine Pause zu. Wir landeten an der rechten Flussseite an und verließen die Rafts. Auf einem Feldweg kamen wir zu einer Stelle, an der ein Wildbach aus einer engen Klamm schloss. Ein Wasserfall hatte einen tiefen Gumpen ausgewaschen. Ein Weg mit entsprechender Bezäunung führte daran vorbei. Wer wollte, kletterte auf den Zaun und sprang von dort in den Gumpen, wo bereits ein Guide wartete und beim richtigen Aufstieg behilflich war. Sich von drei Metern Höhe in einen eiskalten Naturpool zu stürzen, war freilich nicht für jeden das richtige. Es bestand aber auch keine Notwendigkeit, diese Einlage umzusetzen. Für den Anbieter natürlich eine willkommene Gelegenheit, für dessen Canyoningtouren zu werben...

Wieder an Bord

An Bord der Rafts ging es die restlichen Flusskilometer durch weitere Hindernisse. Mit der Zeit wurde der Fluss ruhiger, der letzten Streckenabschnitt war dann auch jener, der auf der "Familientour" befahren wird. Der Guide versuchte sich inzwischen als Animateur.

"Da drüben seht Ihr rechts ein Kehrwasser. Da steuere ich jetzt darauf zu. Damit wir rechtzeitig um die Kurve kommen, müsst Ihr im Boot ganz schnell nach rechts springen, wenn ich rufe." Mh, im Briefing klang das noch anders, da war doch etwas... Und die Logik sagt auch, dass dann etwas passieren muss. Natürlich war es auch so: Das Raft legte einen Kehrwasserflip (Kenterung beim Einscheren in das Kehrwasser) hin, die Besatzung landete im Fluss. Die Gewichtsverteilung war (bewusst) falsch angesagt worden. Nachdem alle wieder eingesammelt waren, ging es weiter.

Schließlich endete die Tour direkt vor dem Hof der Firma Straub.

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