Inn, Imster Schlucht (Classic)

07:30

Mitten im Juni im Tirol. Es ist 07:30 Uhr und ich bin im oberen Ortsteil von Imst. Es regnet und ist mit 12 Grad Celsius nicht wirklich warm. Schon am Vortag hatte ich bei der Bahnanreise einige Blicke auf den Inn werfen können. Hier sollte also meine erste Raftingtour stattfinden. Irgendwie überkommt mich ein flaues Gefühl im Magen und das liegt nicht am Frühstück. Ich bin mir nicht mehr so sicher, ob es eine so gute Idee ist. Doch gebucht ist gebucht.

Rafting auf dem Inn - Imster Schlucht

Zunächst steht jedoch noch ein Fußmarsch durch Imst bis in den Nachbarort Gunglgrün an. Der Weg führt von der Oberstadt hinunter in die Unterstadt und wieder hoch nach Gunglgrün. Und wieso heißt dieser Veranstalter eigentlich ausgerechnet Lemming Tours? Wie war das gleich noch mit diesen Tieren, den Lemmingen? Richtig, ihr Lebenszweck besteht darin, sich selbst auf möglichst fantasievolle Weise umzubringen. Humor hat er, der Anbieter. Na, das kann ja was werden...

08:30

Um 08:30 geht es schließlich los. Nach den üblichen Formalitäten ("ja, ich kann schwimmen; ich bin für das, was ich tue, alleine verantwortlich...") und dem Einsammeln der Voucher erhalten wir unsere Ausrüstung: Neopren Long John und Weste, Neoprenschuhe, Schwimmweste und Helm. Nach dem Umziehen auf der Basis werden die Rafts verladen und ein Bus bringt uns zur Einstiegsstelle. Wir tragen die Boote noch ein Stückchen und dann folgt das erste "Probesitzen" an Land.

Die Paddelkommandos werden besprochen, es gibt einige Sicherheits- und Notfallhinweise sowie ein Angebot, das ohne Zögern von allen Teilnehmern abgelehnt wird: "Möchte hier vorher noch jemand baden?". Der Inn bringt es auf mollig-warme 8 Grad Celsius. Schmelzwasser eben.

Auf dem Inn: Imst - Haiming

Der erste ruhige Flussabschnitt dient noch dazu, die Kommandos unserer Bootsführerin zu üben. "Ihr packt das schon." ist wohl als ermutigender Kommentar auf das sich abzeichnende Chaos zu verstehen. Wer hat hier eigentlich schon mal im Paddeln gearbeitet?

Viel Zeit zum Üben bleibt uns nicht. Die Strömung treibt uns direkt zu einer Brücke, bei der wir noch aufnehmen: "Hört Ihr das Rauschen da vorne? Euer erster Wasserfall!". Es folgen einige Kommandos und schon geht es ein paar Meter abwärts.

Vorher wollte es keiner so recht glauben: Sich weit außen auf den Wulst des Rafts zu setzen, erhöht die Stabilität der eigenen Lage im Boot bei solchen Situationen ganz entgegen dem natürlichen Empfinden, sicher im Boot zu verschwinden, ungemein. Zudem ist es deutlich leichter, das Wasser zu erreichen und den Paddelkommandos zu folgen.

Ein kräftiger Wasserschwall ergießt sich über uns. Acht Grad sind dann eben doch verdammt wenig. Das Wasser läuft schnell wieder ab und ein ruhiger Flussabschnitt, auf dem wir diese erste Abkühlung verarbeiten können, schließt sich an. Doch das bleibt nicht lange so: Von nun an wechseln ruhige Passagen mit rasanten Stellen immer wieder ab. Schnell begreifen wir die Nützlichkeit des Kehrwassers und führen einige Manöver durch. Das anfängliche Steuerungschaos weicht einem akzeptablen Zusammenspiel.

Die vierzehn Flusskilometer von Imst nach Haiming sind in gut 90 Minuten bewältigt. Rohrbrückenschwall, Memminger Walze, Ötzmündung, "Chaos". Namen, die die Highlights unter den ganzen Walzen, Wellen und weißen Wogenkämmen markieren und ohne Kenterung überstanden werden.

In Haiming sind wir dann schließlich durchnässt und gut abgekühlt. Doch die Aufwärmung folgt sofort: Das Boot ist nach dem Anlanden "nur noch" einen Steilhang hinaufzutragen, dann bringt uns ein Transferbus zur Raftbasis zurück.

Warme Dusche, was bist Du willkommen!

Aber das war erst der Anfang der Abenteur für diesen Tag. Mit einer Canyoningtour sollte es weitergehen. Hier weiterlesen: 1. Canyoningtour

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