Dalaman River (2004), Türkei (ecoraft)

Natürlich findet man auch in türkischen Hotels die klassischen Ausflugsangebote aller Pauschalreiseveranstalter zu den mehr oder weniger bemerkenswerten Sehenswürdigkeiten und aufdringlichen Teppichhändlern. Im Lykia World Resort fand ich eine Alternative zu den Fahrten der Reiseveranstalter TUI, Neckermann, Jahn u.s.w. an. Es ist deutlich stärker abenteuer- und actionbetont als das "massenkompatible" Programm. Neben Kamelsafaris, Quad-Bike-Touren und Segelcharta gibt es auch extreme Angebote wie eine Canyoningtour und einen ganztägigen Rafting-Trip. Beworben werden diese Touren u.a. damit, dass man hier fast ausschließlich mit anderen Gästen des Hotels unterwegs ist. Ich buchte dort den Raftingtrip.

Dalaman River 2004, Sicherheitsinstruktionen 

Abfahrt

Morgens um 07:45 sollte es losgehen. Und so stand ich neben vier weiteren Gästen - drei Ukrainern und einem Türken - zur Abholung bereit. Zu wenige Personen für ein Raft. Der Bus sollte dann auch zwei Stunden benötigen, um bis zur Raftbasis zu gelangen. In der ersten Stunde haben wir weitere zwölf Gäste aus den umliegenden Hotels in Ölüdeniz und Fethiye eingesammelt. Von der angekündigten Exklusivität war wenig zu spüren, doch das sollte noch anders kommen. Danach ging es in das Hinterland von Dalaman, wo wir die Basis des Veranstalters Ecoraft ansteuerten. Hier staunte ich nicht schlecht - es waren aus den verschiedensten Ecken rund um Dalaman schon weit über 50 Teilnehmer zusammengekarrt worden.

Ausrüstung

Nach einem kleinen Frühstück ging es an die Materialausgabe. Der erste Schritt bestand aus einer Schuhkontrolle: Wer nur mit Badeschlappen unterwegs war, bekam kurzerhand Bindfaden, um sich die Schuhe um die Fußgelenke zu binden. Ich war recht froh, dass ich meine Tauchausrüstung geplündert hatte und meine Neoprenfüßlinge im Gepäck hatte. Irgendwie bequemer...

Danach gab es Schwimmwesten und Wildwasserhelme, schon war die Ausrüstung komplett. Neoprenanzüge waren zwar in der Ausflugsbeschreibung zwar mit aufgeführt, doch diese gab es nicht. Nun, die Wassertemperatur lag so um die 18 Grad Celsius, im Prinzip ausreichend für Badeshorts und T-Shirt und im Vergleich zum nur 8 Grad warmen Inn, auf dem meine erste Raftingtour stattfand, geradezu badewasserwarm. Sie wurden schlicht als nicht notwendig betrachtet. Als Taucher hat man eh immer Übergepäck auf Reisen und so hatte ich es trotz alledem nicht bereut, meinen dünnen Neoprenshorty mitgenommen zu haben. Bei vier Stunden auf und im Wildwasser kühlt man doch etwas aus.

Nach der Materialausgabe folgte ein Sicherheitsbriefing und die Bootseinteilung. Die Briefings fanden in englisch und russisch statt. Meine Englisch-Kenntnisse reichten gerade so, um den Instruktionen zu folgen. Gut, dass ich die meisten Dinge ein paar Monate zuvor schon einmal in Österreich gehört hatte.

Anschließend sollten uns Transferbusse zur Einstiegsstelle bringen. Nach rund 45 Minuten Fahrt erreichten wir zunächst den Ausstiegspunkt. Nun folgte eine Auffahrt ins Gebirge. Über enge und staubige Serpentinen ging es vorbei an winzigen Bergsiedlungen, bis uns der Weg irgendwann wieder ins Tal führte und wir nach insgesamt zwei Stunden an der Einstiegsstelle angekommen waren.

Briefing

Hier folgte ein letztes Briefing, diesmal ging es um die Steuerung des Rafts und die Kommandos, die wir vom Guide zu erwarten hatten. Nebenbei erfuhren wir, dass der Dalaman River an dieser Stelle als Wildwasser III bis IV klassifiziert ist.

Auf dem Bach

Spannend wurde es dann tatsächlich nur wenige Minuten später: Wir trugen unser Raft zur Einsetzstelle, stiegen ein, machten ein paar wenige Paddelschläge und wurden sofort vom Wuchtwasser erfasst. Gleich zu Beginn war durch erste verblocke Stellen zu navigieren.

Während der Tour gelang es dann nicht nur mir, sondern einer ganzen Zahl von Gästen, unfreiwillig schwimmen zu gehen. Es rutschte sich ja so leicht über den Wulst des Schlauchbootes... Also Paddel sichern, schnellstmöglich in Richtung Raft orientieren und mit Hilfe der verbleibenden Passagiere wieder ins Boot gehievt.

Neben leichten Passagen, bei denen wir uns einfach nur von der Strömung treiben lassen konnten, gab es überschaubare Paddelpassagen und verblockte Stellen. Doch es dauerte nicht lange, bis wir an die erste von mehreren Kernstellen kamen. Die Kernstellen hatten ganz unterschiedliche Schwierigkeitsgrade von Wildwasser II bis IV. Zur Absicherung fuhr ein Guide im Safty-Kajak vorweg, stieg nach der Passage aus und sicherte vom Ufer/Fels mit einem Wurfsack. An jeder Kernstelle hielt die große Gruppe mit all ihren Booten an. Die Guides wurden zum einen als zusätzliche Sicherungskräfte gebraucht, zum anderen steuerten die Boote nur einzelnd durch diese Passagen. Erst, wenn ein Raft sicher eine Kernstelle überwunden hatte, durfte das nächste folgen. Dieses Procedere wiederholte sich an allen weiteren Kernstellen.

Mit einer Ausnahme: Nach geschätzten zwei Dritteln der Tour galt es für alle Gäste, auszusteigen, einen Felsen empor zu klettern, eine kleine Passage zu überwinden und sich am Fels wieder langsam hinunterzubewegen. Auch hier war ich wieder froh, nicht mit festgeknoteten Strandschlappen unterwegs zu sein, sondern etwas besseren Halt durch die Neoprenstiefel zu haben. Das geländegängige Trittsicherheit zum Raften dazugehört, hatte vorher niemand verraten.

Der Grund für dieses Kletterabenteuer war offensichtlich. Hier lag eine Passage mit Wildwasser V: Das Wasser presste mit hohem Druck durch eine sehr enge, stark verblocke Passage. Mitten in der einzig möglichen Strecke lag ein Fels quer im Bach und bildete ein zusätzliches, gefährlich unterspültes Hindernis. Wer hier nicht genau die richtige Spur traf, würde unweigerlich gegen den Fels knallen, dort kentern und durch die drückenden Wassermassen hinterher an den Felsen gepresst und womöglich darunter gezogen werden. Folglich steuerten die Guides die Boote alleine durch dieses Schwerwasser, um die Gäste nach deren Kletterpartie wieder einzusammeln.

Ausklang

Am Ende der Tour lieferten wir unser Material ab und die Busse brachten uns nach einer gut 45 minütigen Fahrt zurück zur sehr rustikalen Basis. Nach einem eher übersichtlichen Abendbrotsnack folgte der Transfer zurück zu den Hotels.

Die Tour endet so gegen 21:30 Uhr mit der Ankunft im Lykia World Resort. Ein faszinierendes Abenteuer in einer atemberaubenden Natur, die man anders niemals zu sehen bekommen kann. Aber auch ein Abenteuer, dass nicht immer ganz ungefährlich war und mit mitteleuropäischen Sicherheitsstandards so sicher nie stattgefunden hätte. Wer den entsprechenden Mut mitbringt, sollte diese Tour unbedingt buchen.

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