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Canyoning: Rosengartenschlucht

Fortsetzung des Berichts vom Rafting auf dem Inn, 2004. Die erste Raftingtour ist überstanden. Das erste Mal Paddeln im Wildwasser im zweiten und dritten Schwierigkeitsgrad. Was für ein Erlebnis. Am gleichen Tag sollte es weitergehen: Mit meiner ersten Canyoning-Tour.

Kurzinfo
Canyoning mittlere Rosengartenschlucht, Imst, Tirol - Tourdatum: Juni 2004.
Veranstalter: Lemming Tours, www.lemmingtours.de

Zunächst heißt es nun, einen Teil der Ausrüstung zu tauschen: Schwimmweste und Neoprenschuhe werden nicht länger benötigt, statt dessen gibt es Neoprensocken und Trekkingstiefel.

mittlere Rosengartenschlucht

Unsere Tour soll uns in die mittlere Rosengartenschlucht führen. Verschiedene Veranstalter vermarkten dies unter kernigen Phantasiebegriffen wie "Greendeep Greek" oder "Silver Slide". Fertig ausgerüstet bringt uns der Transferbus zur Einstiegsstelle. Vom Parkplatz der Talstation der Imster Bergbahnen gehen wir einen kleinen Pfad zur "Blauen Grotte". Auf diesem kurzen Weg kommt uns eine kleine Wandergruppe entgegen, die uns etwas merkwürdig anschaut: Eine Gruppe Leute, behelmt und in Neopren eingepackt, läuft einem eben nicht täglich über den Weg.

Man muss die Einstiegsstelle schon als solche kennen, um zu erkennen, dass es eine ist. Wanderer werden sich höchstens noch über eine quer zu einer Holzbrüstung stehenden Bank wundern, die hier als Hilfsmittel zum Übersteigen der Wegebezäunung dient. Hier stehen wir nun und werfen skeptische Blicke zum Schinderbach, der nur ein paar Meter entfernt an uns vorbeirauscht.

Vor dem Einstieg gibt es noch ausführliche Sicherheitshinweise: Fortbewegungsregeln und -techniken werden ebenso wie Kommunikationstechniken besprochen. Die Anspannung und Erwartung steigt weiter, doch bevor wir starten, fordert uns unser Guide auf, erst eine Dusche zu nehmen. Wie bitte?

Er führt uns in die kleine "Blaue Grotte", durch deren Felsspalten oberhalb von uns das klare, eiskalte Bergwasser tropft. Wir bekommen einen kleinen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Temperaturen. Anschließend klettern wir schnell über die Bank einen Abhang hinunter in den Fluss und das Abenteuer kann beginnen.

Naturrutschen

Wir gehen nur wenige Meter durch das eiskalte, sehr schnell fließende, hier gerade einmal 15 cm tiefe Wasser, bis wir an den ersten Sturz kommen. Das Wasser bricht durch ein paar Felsen einige Meter über eine schräge, glattgespülte Rinne talwärts. Die Stelle laufend zu meistern, ist unmöglich. Also gilt es, es dem Wasser nachzumachen: In die Felsrinne setzen und der Naturrutsche aus Stein in den kleinen, nicht sonderlich tiefen, aber sehr kalten Gumpen zu folgen. Der Adrenalinspiegel steigt, die Rutschpartie gelingt.

Keine Rückkehr möglich

Wenige Meter weiter sehen wir links einen gezäunten Pfad. Ein zweiter Guide steht hier und fragt, welchen Weg wir den nun wählen wollen. Zu ihm nach oben raus aus dem Wasser oder entlang des Baches talwärts. Wir haben unsere erste Prüfung gemeistert und stehen am "Point-Of-No-Return".

Hier können wir uns ein letzten mal entscheiden und noch aussteigen, danach müssen wir dem Flusslauf folgen. Hohe Felswände erlauben ohne Hilfsmittel keinen anderen Weg mehr, als den des Flusses zu wählen. Egal was kommen möge.

Die Gruppe bleibt zusammen. Der Fluss schlängelt sich um zahlreiche Biegungen, unser Weg wird immer wieder von Steinen verblockt. Die erste Wasserrutsche war nur eine leichte Einstimmung. Das Wasser spült uns abwechselnd rutschend und wieder vorsichtig gehend durch enge Passagen und scharfe Kurven.

"Deinen ersten Wasserfall vergisst Du nie"

Die Stimmung ist gut und ausgelassen, bis es schlagartig ruhig wird: Wir sind an einer der Hauptherausforderungen angekommen. Das Adrenalin meldet sich wieder: Vor uns ein Wasserfall, gute fünf bis sechs Meter stehen wir oberhalb der Klippe. Hier soll es weitergehen?

Springen? - bestimmt nicht! Rutschen? - geht nicht! Also: Herunterklettern.

Neben dem Wasserfall ist ein Knotenseil befestigt. Dieses gilt es zu greifen, um einen Felsvorsprung herum zu klettern und dann - mit stetigem Blickkontakt zum Fels an dem Seil herunterzuklettern. Neben uns prasselt das Wasser mit ohrenbetäubendem Lärm danieder. Doch der Aufregung nicht genug:

Das Seil ist zu kurz! Unser Guide weißt uns an, am Ende des Seils "einfach" eine Drehung um 180 Grad zu vollziehen, so dass wir den Felsen im Rücken haben, die Füße vom Fels zu lösen und das Seil einfach loszulassen. Die Erdanziehungskräfte melden sich: Im freien Fall stürzen wir abwärts in das vom eiskalten Wasser ausgewaschene tiefe Becken. Wir haben die Herausforderung gemeistert und setzen unseren Weg durch den Canyon fort.

Wir gelangen an eine Stelle, die eigentlich eine der uns inzwischen vertrauten Felsrutschen hätte sein sollen. Doch die geschliffene Felsformation ist einfach zu schmal. Unser Guide weißt uns den Weg auf den Fels, der sich neben der Wasserrinne befindet, hinauf. Während er unten im Becken steht, ruft er uns, die wir einzelnd an der Klippe stehen, nur zu "Spring!". Es kostet etwas Überwindung, scheint aber der einzige Weg zu sein. Im tief ausgespülten Gumpen sicher gelandet, prasselt das Wasser auf uns ein. Schnell entziehen wir uns dieser Dusche und sehen den Fels nun von der anderen Seite. Das Knotenseil, welches hier angebracht wurde, hatte uns der Guide verschwiegen.

Die restliche Strecke bis zum Ausstieg ist ein spaßiger, nicht sonderlich schwieriger Hindernislauf. Lediglich beim Verlassen der Schlucht ist noch ein kurzer, recht steiler und ungesicherter Pfad zu überwinden.

Begeistert, die Herausforderung gewagt und gemeistert zu haben, geht es mit dem Transferbus zur Outdoor-Station zurück. Diese Einstiegsdroge dürfte nicht der letzte Canyon gewesen sein.

Der Veranstalter dieser Tour hat sich einen passenden Namen gegeben: Lemming Tours aus Augsburg betreibt in einem Nachbarort von Imst eine gut ausgestattete Outdoor-Basis.


Die Qualität der Bilder ist leider sehr überschaubar: Hier habe ich noch mit einer analogen Fixfokus-Einmalkamera gearbeitet... 

Rosengartenschlucht
 
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