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Dressel Divers, Mexiko, Puerto Aventura

Nach guten Erfahrungen in den Jahren 2010 und 2013 entschied ich mich für den Tauchurlaub in Mexiko wieder für die Basis der Dressel Divers im Barcelo Maya Beach Resort. Das Resort liegt etwas außerhalb von Puerto Aventura und gut 70 Minuten entlang der Fernstraße 307 von Cancun entfernt auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan gelegen.

Dressel Divers

Erste Kontaktaufnahme

Die Website der Dressel Divers International ist mehrsprachig, darunter auch in Deutsch, aufgebaut. Sie ist mit einer Ausnahme sehr informativ. So gefallen insbesondere die umfangreichen Tauchplatzskizzen. Was aber gar nicht zu finden ist, sind Preisinformationen. Hier führt der Weg nur über das Kontaktformular, die Angabe von Hotel, Reisezeitraum, Name und Mailadresse, um mehr zu erfahren. Das wäre so sicher nicht nötig und dient offenkundig der Datensammlung. Als Antwort auf meine Anfrage gibt es eine umfangreiche Mail mit einer Preisliste, einer genauen Beschreibung aller Angebote und Pakete sowie Zusatzaktivitäten. Die Mail ist komplett in gutem Deutsch verfasst. Sie stammt offenbar aus einer Textkonverse, denn die zusätzlich im Kontaktformular gestellte Frage wird nicht beantwortet. Vielleicht wurde sie auch nur "übersehen". Allerdings unterstreicht dies, dass es keinen Grund gibt, diese Information nicht gleich auf der Website bereitzustellen. Alle Preisangaben erfolgen in US$, wobei ein Einzeltauchgang vom Boot mit 55 US$ zzgl. ggf. erforderlicher Ausrüstung kostet. Das Preisniveau erschreckt zunächst, ist aber typisch für die Gegend.

Buchung

Ebenfalls typisch für die Gegend: Ohne Vorkasse läuft nichts. So habe ich es bisher bei allen Basen dort erlebt. Dabei ist es absolut sinnvoll, die Tauchaktivitäten vorauszuplanen und ein passendes Paket zu buchen. Dies reduziert den Preis pro Tauchgang ganz erheblich. Auf die Vor-Ort-Paketpreise gibt es zudem bei Buchung von Deutschland aus noch einen deutlichen Rabatt und die Garantie, das auch weitere zusätzliche Tauchgänge außerhalb des Pakets zum gleichen vergünstigten Preis abgerechnet werden. Im Gegensatz zu Scuba Caribe, über die ich hier schon aus vergangenen Aufenthalten in der Karibik berichtet habe, ist dies kundenfreundlicher. Jener Mitbewerber rechnete damals am Ende eines Pakets wieder mit dem vollen Einzelpreis weiter. Übrigens: Auch der zugesagte Vor-Ort-Preis für Zusatztauchgänge ließ sich in Mexiko noch etwas drücken... Warum ich das so ausführlich schreibe? Nun, auf der anderen Seite kannte man keinen Skrupel, Gästen ohne vorgebuchtes Paket jeden Tauchgang einzeln zum Vollpreis zu berechnen, wenn diese nicht genau wussten, was sie wollten. Erstattungen waren nämlich ausgeschlossen. Die hohen Einzelpreise waren so allerdings auch keine Fantasiepreise, um hohe Lockrabatte anzustellen. Es lag letztlich daran, wie geschickt der Kunde agiert hat. Die Abwicklung der Buchung eines Pakets über Kreditkarte lief problemlos. Der Voucher wurde innerhalb weniger Stunden per Mail zugesandt.

Check-In

Endlich vor Ort angekommen. Hier zeigt sich, was "International" bedeutet: Ein Gast aus Deutschland bei einer spanischen Kette in Mexiko trifft auf eine belgische Mitarbeiterin. Dabei erfolgt der Check-In dann in englisch, was auch die vorherrschende Basissprache ist. Andere Sprachen werden nicht oder nur sehr wenig gesprochen. Ausnahme: Für die Touren in die Cenoten und nach Cozumel war 2013 und 2016 ein deutscher Guide für Dressel tätig. Zurück zum Papier: Alle nötigen Anmeldeunterlagen sind in Deutsch verfügbar. Meine Reservierung liegt tatsächlich griffbereit vor. Ich merke, dass ich erwartet werde. So sieht professionelle Kundenbetreuung aus. Ein Fragebogen mit statistischen Daten (Brevet, Anzahl Tauchgänge...), eine medizinische Selbstauskunft (PADI-Formular) anstelle der obligatorischen Attests und eine Haftungsausschlusserklärung sind die üblichen Standards, die neben einem Blick ins Logbuch und zu den Brevets zu absolvieren sind.

Gleich beim Check-In fällt mir auf, dass hier seit meinem letzten Besuch in 2013 mächtig investiert wurde: Das komplette Basisgebäude ist neu gebaut, räumlich großzügig gestaltet und mit edel wirkenden Materialen dekoriert. Es gibt einen Info- und Anmeldebereich, einen Bereich für die Vorbesprechung der Tauchgänge und zum Zusammenbau der Ausrüstung, einen Bereich zum Reinigen und Spülen des Materials und dann noch mehrere Räume für den Ausbildungsbetrieb. In einem großen, gut belüfteten Materialraum kann auch eigene Ausrüstung deponiert werden. Gäste haben hier keinen Zutritt, Ausrüstung wird von den Mitarbeitern entgegengenommen und ausgegeben.

Lokale Tauchgänge

Genug der Vorgeschichte, ab ins Wasser: Tauchgänge werden direkt vom Strand aus angeboten. Direkt vor dem Hotel gibt es einen Steg, an dem bis zu zwei im Einsatz befindliche Tauchboote starten können. Die Boote sind zwar einfach ausgestattet (z.B. keine Bordtoilette), aber in einem guten Zustand und für die Zwecke hinreichend leistungsstark (2x 75PS Aussenbordmotor). Die lokalen Tauchgänge gibt es dann in den üblichen zwei Varianten: Als Einzeltauchgang und als sog. Double-Tank-Dive. Die Ausfahrt für einen Einzeltauchgang dauert inkl. Tauchgang rund zwei Stunden, da alle Plätze in der Nähe liegen. Vor der Abfahrt wird die komplette Tauchausrüstung vorbereitet und gecheckt, dann geht es vollausgerüstet gleich ins Boot, von wo aus je nach Boot entweder mit einer Rolle von der Bordswand gestartet wird oder ein Einstieg über das flache Deck mit dem Schritt ins Wasser möglich ist. Bei Double-Tank-Dives wird eine zweite Flasche mit auf das Boot genommen. Hier handelt es sich um Halbtagestouren: Nach dem ersten Tauchgang wird die Flasche gewechselt, das Boot versetzt und nach einer recht kurzen Oberflächenpause geht es dann weiter. Zu den einzelnen Zielen gibt es detaillierte Zeitpläne, wann an welchem Tag in der Woche welches Ziel angeboten wird. In der Praxis werden diese Ziele je nach Andrang, Bedingungen auf dem Meer und Besucherwünschen allerdings flexibel gehandhabt. Das Briefing für die Tauchgänge findet auf der Basis statt. Hier werden hauptsächlich täglich die immer gleichen Sicherheitsregeln besprochen, dann gibt es ein paar (wenige) Informationen zum Tauchplatz. Wesentlicher Bestandteil des Briefings ist auch immer der Hinweis, dass die Tauchgänge "one-way" stattfinden. Die Tauchboote setzen die Taucher ab, es wird bei den meisten Tauchplätzen in eine Richtung entlang der Riffkante getaucht und zum Ende der vereinbarten Zeit (ca. 45-50 Minuten) oder früher, falls jemand am vereinbarten Luftlimit ankommt, aufgetaucht. Dabei gehört ein Sicherheitsstopp immer dazu. Der Guide setzt eine Boje, die Tauchboote sammeln die Gäste anschließend wieder ein. Das bedingt auch, dass die Gruppe immer zusammen taucht und individuelle Tauchgänge nicht stattfinden. Positiv: Die Tauchbasis ist bemüht, Kursbetrieb, Schnuppertaucher und ausgebildete Taucher zu trennen und unterschiedlich geeignete Plätze mit mehreren Booten anzufahren oder zumindest mehrere Kleingruppen mit mehreren Guides zu bilden. So ist das in dieser Region verbreitete 45-Minuten-Limit hier nicht so ausgeprägt: Die Tauchzeiten werden nach Luftverbrauch, aber stets innerhalb der Nullzeit, bemessen.

Cozumel

Tauchen direkt am zweitgrößten Barriereriff der Welt - dem langen Riffverlauf, der direkt an der Küste Yucatans, genauer an der Insel Cozumel, vorbeiläuft und in Belize beginnt. Nahezu jede Tauchbasis vor Ort bietet dorthin meist recht teure Tauchgänge an. Dazu gehört der Transfer zum Hafen in Playa del Carmen, die Überfahrt in der Hochgeschwindigkeitsfähre, zwei Tauchgänge vor Ort und die Rückfahrt. Auf der Seite mit den Tauchplatzbeschreibungen gehe ich näher auf den Ablauf einer Cozumel-Tour mit den Dressel Divers ein. Hier die Kurzfassung: Man unterhält auf der Insel eine eigene Basis, von der aus die Touren durchgeführt werden. Das ist wohlorganisiert und deutlich entspannter als das Chaos bei einem Mitbewerber, der sich bei einem Drittanbieter einbuchen musste. Die Tour lohnt sich.

Cenoten

Der Boden der Halbinsel Yucatan besteht überwiegend aus Kalkstein. Regen sickert dort schnell durch und hat im Laufe unzähliger Jahrtausende unterirdische Flüsse, Kanäle und Höhlen geschaffen. Diese Höhlensysteme haben, meist tief im Dschungel verborgen, häufig Öffnungen. Man bezeichnet diese Zugänge zum unterirdischen Höhlenlabyrinth als Cenoten. In den Cenoten erwarten den Taucher unbeschreibliche Verhältnisse: Süßwasser mit 23-25 Grad Wassertemperatur und Sichtweiten (natürlich im Schein der Lampe oder im direkten Bereich der Öffnungen) von mehr als 50 Metern. In einem separaten Beitrag beschreibe ich die Tauchplätze ausführlicher. Die Grottentauchgänge in den Cenoten werden in Gruppen von maximal 4 Tauchern pro Guide durchgeführt, wobei der Guide stets ein ausgebildeter Höhlentauch-Guide ist. 2013 und 2016 traf ich hier auf den gleichen Guide - einen sehr erfahrenden und entspannten Guide aus Deutschland, der es auch ermöglichte, Wünsche zu den zu besuchenden Cenoten zu äußern und diese dann auch umsetzte.

Nitrox

Inzwischen gibt es auch Nitrox auf der Basis. Man unterhält hier keine eigene Füllanlage, sondern bekommt die Flaschen täglich geliefert. Ob von einem Füllservice oder der zweiten Dressel-Basis bei Playa del Carmen ist mir nicht bekannt. Auf jeden Fall bedeutet dies, dass man für alle lokalen Tauchgänge Nitrox kostenlos bekommen kann. Man braucht nur das Brevet vorlegen und die Flasche bei der Anmeldung zu einer Bootstour bestellen. Das hat immer unkompliziert geklappt. Bei den Tauchgängen in den Cenoten gibt es kein Nitrox-Angebot, anders als bei der Tagestour nach Cozumel. Dort füllt Dressel an der eigenen Basis offenbar auch selbst ab.

Fazit

Organisation und Tauchgangsdurchführung, aber auch der Umgang mit den Gästen, wirkten auf mich besser als bei Scuba Caribe. Nun, der Vergleich ist nicht einfach, da die Eindrücke vom anderen Anbieter inzwischen auch fünf Jahre alt sind. Aber es bleibt doch der Gedanke hängen - hier würde ich wieder hinfliegen. Das setzt natürlich voraus, dass man bereit ist, sich mit bestimmten Eigenarten des Tauchens, wie es im amerikanisch geprägten Raum üblich ist, arrangieren kann. Und das ist nun mal anders, als auf vielen europäischen Tauchbasen oder ägyptischen Großbetrieben. Spätestens beim Tauchgang in den Cenoten bleibt aber ein Eindruck: Faszinierendere Tauchplätze gibt es wohl kaum.

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