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Menadive, Ägypten, Safaga

Ich war schon einmal hier.

September 1999: Vielleicht zwanzig Tauchgänge und ein gefühlt noch druckfrischer Tauchschein. Das Internet hatte noch nicht die Bedeutung, die es heute hat. So war gar nicht daran zu denken, einen ausführlichen Tauchbasisbericht für eine Website zu schreiben. Doch mir hatte es damals, beim Menadive Tauchcenter von Laurenz und Christa Geißler zu meinem ersten Tauchurlaub in Ägypten ausgesprochen gut gefallen. Irgendwie, so wußte ich, würde es hier wieder einmal hingehen.

Menadive

März 2008: Fast neun Jahre ist es, das Hobby Tauchen hat mich zu vielen Flecken rund um die Welt geführt, die ich sonst wohl nicht bereist hätte. Meine Planung von damals, irgendwann ins kleine ägypische Nest Safaga zurückzukehren und wieder beim Menadive zu tauchen, sollte nun umgesetzt werden.

Begrüßung

Die Begrüßung und der Check-In erfolgen freundlich auf der großzügig dimensionierten Basis. Die Basis und die Abläufe werden erklärt, der Papierkrams so nebenbei erledigt. Eine Box für den Kleinkram steht bereit, ein separater Trockenraum für Anzug und Jackets ist vorhanden. Insgesamt ein streßfreier Start fernab der Hektik, die auf den Tauchbasen in Hurghada üblich ist. Eine Besonderheit fällt auf: Das benötigte Blei wird hier gleich zu Beginn ausgegeben und erst mit der Abrechnung wieder abgegeben. Ansonsten wird es täglich auf das Boot und wieder zurück geschleppt (ok, für die Ausrüstung gab es einen kleinen Wagen). An Bord befinden sich nur geringe Bleimengen zum "Nachtarieren". Die Lösung, sich quasi "an Bord" zu bedienen, wie es viele andere Basen handhaben, ist ein bißchen bequemer.

Checktauchgang

Egal, ob 5 Tauchgänge oder 250 - ein Checktauchgang gehört hier immer dazu. Tarierkontrolle, Maske ausblasen, Wechselatmung. Angenehm: Während andere Basen den Checktauchgang pflichtweise mit einer Halbtagesausfahrt verbinden und so viel Zeit des kostbaren kurzen Urlaubs verschenkt wird, so findet der Check hier auch im Rahmen einer normalen Tagestour statt und wird im Rahmen des ersten von zwei Tauchgängen durchgeführt. Ohne Aufpreis.

Tauchgänge und Tauchplätze

Üblicherweise werden zwei Tauchgänge am Tag durchgeführt. Man trifft sich morgens an der Basis, lädt seine Ausrüstung auf bereitstehende Wagen und geht den kurzen Steg zu den Booten. Die Ziele werden gemeinsam abgesprochen, zwei Tauchplätze werden angefahren. Nach dem ersten Tauchgang setzt das Boot um. In der Mittagspause bereitet die Crew gegen ein geringes Entgelt ein optionales, reichhaltiges Buffet vor. Es ist immer wieder bemerkenswert, was die Mannschaft in den kleinen Schiffsküchen so zaubert. Meist ist es schmackhafter als das Essen im Hotel. Nach der Mittagspause gibt es noch einen zweiten Tauchgang, dann geht es zurück zum Hafen. Der Tauchtag endet zwischen 16 und 17 Uhr. Der anschließende gemütliche Teil in der Basis ist - wegen fehlender Hektik und Drängelei - ein angenehmer Ausklang. Weniger angenehm, aber durch die Basis nicht zu verantworten: Das Hotel bietet All-Inclusive an. Wer dies gebucht hat, kann die Bar an der Tauchbasis nicht nutzen. Getränke, die am Abend nach dem Tauchtag konsumiert werden, muss man sich bei einer ganz bestimmten Bar, ausgerechnet am anderen Ende des Hotels, abholen. Wer mit All-Inclusive-Voucher oder -Bändchen glaubt, damit auch Wasserflaschen auf die Tauchtouren mitnehmen zu können, muss am Abend vorher schon daran denken. Denn den Inklusiv-Bars haben zur Abfahrt der Tauchboote noch nicht geöffnet. Allerdings ist der Preis für eine große Wasserflasche (und 3 Liter / Tauchtag sind ein Minimum) sehr moderat.

Doch zurück zum Tauchbetrieb: Neben der gemeinsamen Tauchplatzwahl - am Innen- oder Außenriff - bei den Tagesfahrten gibt es eine Reieh von Spezialangeboten: Early-Morning-Dive sehr früher Abfahrt und drei Tauchgängen, eine Halbtagestour mit einem Tauchgang, die hauptsächlich für Langschläfer ist) späte Abfahrtszeit, gleiche Rückkehrzeit wie bei den Ganztagstouren) sowie Nachttauchgänge.

Boote

Neben einigen - zugegeben etwas älteren Booten - war während meines Aufenthalts auch ein recht neues und sehr großzügig dimensioniertes angemietetes Tauchboot im Einsatz. Schade nur, dass bei allen Booten noch die alten Marinetoiletten zum Einsatz kommen. Hier in Safaga sind die Standards der Schiffsflotten aus Hurghada mit Booten, deren Toiletten Fäkaltanks haben und nicht alles ins Meer schicken (zumindest nicht sichtbar für die Taucher...) noch nicht angekommen. Naturschutzgebühren werden trotzdem berechnet. Zumindest sind an allen Tauchplätzen Bojen vorhanden, so dass nicht geankert wird.

Angebote

Für Nitrox-Taucher gibt es das Gemisch ohne Aufpreis und "Clubkarten" oder irgendwelcher ähnlichen Abrechnungstricks auf Anfrage. Einfach beim Check-In das Nitrox-Brevet vorlegen und in den täglichen Anmeldelisten das Kreuz an der richtigen Stelle machen. Morgens stehen dann zwei Nitroxflaschen bereit, bei denen nur noch eine Kontrollmessung und die individuelle Kennzeichnund nötig sind ("normale" Pressluftflaschen befinden sich an Bord). Bei meinem Aufenthalt waren Trends in der Tauchszene klar zu erkennen: Der Anteil der Taucher, die dieses Gemich tauchten, überwog ganz eindeutig.

Eine Besonderheit für diese Region: Es werden Stahlflaschen eingesetzt, keine Aluzylinder. Die normale Größe liegt bei 12l, auf Anfrage gibt es gegen einen kleinen Aufpreis auch 15l - Flaschen. Stahlflaschen haben den Vorteil, dass weniger Tarierblei benötigt wird. Gleichzeitig empfinde ich das Verhalten im fast leergenukelten Zustand aufgrund des geringeren Auftriebs als sehr viel angenehmer.

Ein Schwerpunkt der Basis ist das technische Tauchen: Laurenz Geißler ist TDI - Ausbilder und bietet Kurse und Workshops zum Mischgastauchen an. Damit sind "technische" Gemische gemeint, die über das Maß des inzwischen üblichen Nitox hinausgehen. Während die meisten Basen in Ägypten ein Tiefenlimit von 30 Metern ("wegen der gesetzlichen Regelungen") strikt verfolgen, so bildet Menadive auf Wunsch gezielt für das Tieftauchen mit Tiefen deutlich mehr als dieser 30-Meter-Marke aus. Bei den normalen Pressluft oder Nitroxmischungen gilt die gleiche 30-Meter-Regel, wie woanders. Wer meint, mehr zu wollen, kann mit begleiteten Tauchgängen mit unterschiedlichen Gassystemen auf Wunsch eine Menge ausprobieren. Aber damit das nicht falsch verstanden wird: Wer - wie der Autor - lieber gemütliche (und lange = Limit 90 Minuten) Tauchgänge macht, gerne mal für ein paar Fotos auch im lichtdurchfluteten flacheren Wasser taucht, ist hier mindestens genauso richtig. Eher stellen die Urlaubstaucher die Mehrheit der Gäste als die technischen Taucher, die man mitunter schwer bepackt mit nicht weniger als drei Flaschen, fünf Computern und vier Dekotabellen ins Wasser gehen sieht.

Fazit

Ja, hier gelingt es: Ein schöner, entspannter Tauchurlaub bei einer alteingesessenen Basis in einem Bereich am Roten Meer, der (Tauch-)touristisch nicht vollkommen überlaufen ist. Schade nur, dass das Hotel Menaville in vielen Belangen eher minderwertig ist. Die Basis hätte ein besseres Hotel / Standort verdient.

Ich komme wieder. Irgendwann.

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