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Sea Pro Divers, Dom. Rep., Luperon

 
Dieser Bericht aus Januar 2004 wurde ins Archiv verschoben.
Das Hotel Luperon Beach ist, einigen Berichten im Netz zufolge, nach langanhaltendem Sanierungsstau geschlossen. Auf der Website der Sea Pro Divers, die ihre Dienstleistungen auch in anderen Hotels anbieten, wird der Standort Luperon nicht mehr aufgeführt.

Die Tauchbasis im Hotel "Luperon Beach Resort" und "Tropical Luperon" wird von der in Puerto Plata ansässigen Kette "Sea Pro Divers" betrieben. Sie deckt als externer Anbieter nicht nur das Tauchen ab, sondern auch alle anderen wassersportbezogenenen Aktivitäten im Hotel. "Sea Pro Divers" - Tauchbasen sind in zahlreichen weiteren Hotels an der Nordküste der Dominikanischen Republik zu finden. In wie weit die hier beschriebenen Beobachtungen jedoch auch für diese andere Niederlassungen gelten, entzieht sich meiner Kenntnis.

Check-In

Am so genannten "Tourdesk" im Hotel, dort wo die üblichen Infomappen der Reiseveranstalter ausliegen, findet sich mit einer deutschsprachigen Verkäuferin namens Petra die Vertreterin der Basis, die es als erstes aufzusuchen gilt.
Petra verkauft jedem, der ausreichend Bargeld oder eine Kreditkarte dabei hat, einzelne Tauchgänge oder Tauchpakete. Die Bezahlung erfolgt sofort, die spätere (Teil-) Rückzahlung bzw. -erstattung aus welchem Grund auch immer wird ausgeschlossen. Gleichzeitig mit dem Kauf eines Tauchgangs oder Tauchpaketes sind zwei PADI - Formulare zu unterzeichnen: Eine Gesundheitserklärung und die im Bereich von PADI Europe rechtlich umstrittene und daher unzulässige Haftungsfreistellung für die Basis.

Die Preise bewegen sich zwischen 60 US$ für einen einzelnen Tauchgang mit teilweiser Leihausrüstung über 40 US$ für einen Tauchgang mit eigener Ausrüstung bis hin zu 290 US$ für ein Paket mit 11 Tauchgängen und eigenem Material. Leihausrüstung besteht aus Jacket, Regler, Maske und Schnorchelflossen. Anzüge gehören nicht dazu, was jedoch nicht genannt wird. Feststellen wird man dies erst an der Tauchbasis selbst, wenn einem das Equipment ausgehändigt wird... Wer einen Anzug leihen möchte, muss dies nun bei Petra bestellen und bezahlen. Selbst bei dem Verkauf von Kursen habe ich wiederholt mitbekommen, dass nicht darauf hingewiesen wird, dass man eine unvollständige Ausrüstung mietet und Anzüge extra zu zahlen sind. Für einen Aufpreis von 6 US$ pro Tauchgang gibt es plattgetauchte Shortys, häufig nicht in der richtigen Größe und niemals in gutem Zustand: Große Löcher im Material und etliche Flicken zeigen, dass die Lebensdauer schon längst überschritten ist. Die übrige Leihausrüstung sah nicht besser aus. Ich wage keine verbindliche Aussage zum Wartungszustand von Reglern, nehme aber durch die Beobachtung des Ablaufs in der Basis auch hier nichts wirklich gutes an. Wer hier tauchen möchte, sollte tunlichst vermeiden, Leihmaterial zu verwenden und der Sicherheit willens eigenes Equipment dabei haben. Aber nach der weiteren Schilderung der Basiserlebnisse sei eine andere Frage erlaubt: Wer will hier tauchen?

Die Tauchbasis

Zur Meerseite hin gibt es einen kleinen Materialausgabe und -infoschalter, daneben führt ein Gang in die innenliegenden Räumlichkeiten. Der Boden ist aus blanken Beton, auf dem regelmäßig Wasser steht, was das Gehen zu einer sehr rutschigen Angelegenheit werden lässt.

Im Materialraum herrscht ständig eine hohe Feuchtigkeit. Platz für eigenes Equipment ist nicht vorhanden. Es kann nur notdürftig zwischen die Leihausrüstung gepackt werden. Verwechselungen und Fremdbenutzung sind somit leider nicht ausgeschlossen. Als "Trockenraum" dient eine verbogene Stahlstange außerhalb des Gebäudes. Dieser Bereich ist auch gleichzeitig Mitarbeiterparkplatz und Müllablagefläche.

Die Tauchbasis teilt sich ein Gebäude mit dem All-Inclusive-Strandbistro des angrenzenden Hotels. Der Kompressorraum der Basis und die Küche des Bistros liegen Wand an Wand. Vor der Basis befindet sich noch ein kleines Spülbecken, dass gelegentlich auch mal als Badewanne für Tauchguides dienen muss. Gut, dass auf Badezusätze verzichtet wird.

Tauchbetrieb

Zwei Mal täglich, um 9:00 Uhr und um 12:00 Uhr, geht es mit dem Boot zu dem nahegelegenen Riff. Die rund zehn Tauchplätze gleichen sich im wesentlichen. Sie liegen alle ca. fünf Bootsminuten entfernt.

Vor der Teilnahme an einer Bootsfahrt gilt es, den Zahlungsbeleg vorzulegen, auf dem - bei Paketen - dann der jeweilige Tauchgang abgestrichen wird. Scheinbar nach der Zufallsmethode wird vor dem ersten Tauchgang auch mal nach dem letzten Eintrag im Logbuch geschaut oder nach dem Brevet gefragt. Der Regelfall ist das jedoch nicht. Beim Kauf des Paketes muss keinerlei Ausbildungsnachweis vorgelegt werden. Zahlende Kunden, die ohne jede Ausbildung für einen Tauchgang im Meer versenkt werden, sind in den zwei Wochen meines Aufenthalts Gäste gewesen, die zum Betrieb dazugehörten...

"Versenken" ist dabei tatsächlich so zu verstehen: Da es keine schlüssige Kontrolle der Fähigkeiten gibt, gilt es eben, die Leute irgendwie runter zu bekommen. Hierzu gebe man einfach eine beliebige Menge Blei aus. Der erlebte Extremfall war ein Gast, der - ausgerüstet nur mit Weste und 12l Alu-Flasche ohne Anzug - tatsächlich mit 20 Kilo Gewichten "ertränkt" wurde. Die Idee, dass es dermaßen überbleibt durchaus auch Risiken gibt, hatte keiner der auch ansonsten recht ahnungslos wirkenden Guides.

Das Boot liegt direkt am Strand und wird vor einem Tauchgang mit vereinten Kräften ins Meer geschoben. Vorher jedoch wird noch die Ausrüstung vor der Basis zusammengebaut und ins Boot verfrachtet. Die 12l-Aluflaschen sind häufig teilbefüllt und alle mit INT-Anschluß ausgestattet. Eine volle Flasche zu bekommen, die sich mit dem am besten selbst mitgebrachten DIN/INT - Adapter sicher und dicht mit der ersten Stufe des eigenen Reglers verbinden lässt, ist keine Selbstverständlichkeit: Zwei bis drei Versuche gehören schon mal dazu. Danach gilt es unbedingt, die Ausrüstung selbst die paar Meter über den Strand ins Boot zu transportieren. Zu oft war zu beobachten, dass Regler sonst schnell mal im Sand landeten. Zu keiner Zeit - vor der Bootsfahrt oder auf dem Kahn - gibt es so etwas wie ein Briefing. Auf Nachfrage erfährt man höchstens, dass ein Multilevel-Tauchgang anstehe und wie der Tauchplatz heißt. Die alte Grundregel "Plane Deinen Tauchgang und tauche Deinen Plan" ist hier völlig unbekannt. Unter Sicherheitsaspekten fatal wird es spätestens dann, wenn nicht einmal eine Computerpflicht besteht. Mit Hilfe des Tauchplatznamens und der mit Tiefenangaben (in feet) versehenen Tafel bei der Basis lässt sich zumindest grob abschätzen, was für ein Tauchgang ansteht.

Getaucht wird immer in der Gruppe hinter dem Guide her. Zumindest einer der Guides hatte ständig einen RPD (Recreational Dive Planner = die Nullzeittabelle von PADI, die nicht für Multileveltauchgänge geeignet ist) dabei. Beim Auftauchen wurde ich häufiger gelegentlich gefragt, ob die Zeit für den jeweiligen Stopp schon um sei...

Dieses Bild steht sich bei der Betrachtung der Basisregeln fort: Tauchregeln bzw. Limits sind mir weder aufgefallen noch genannt worden. Tiefenbeschränkungen sind durch den Meeresgrund ohnehin meist in maximal 30 Metern gegeben. Wer bei einem tieferen Tauchgang in die Dekopflicht rutschen sollte, weiß hoffentlich, was er tut und achtet einfach auf seine Stopps, wobei durch das Rudeltauchen dies ein eher unwahrscheinlicher Fall ist. Ein Tauchgang wird im Regelfall dann beendet, wenn der erste Taucher 50 bar oder 500 psi (rund 33 bar) anzeigt. Das für die Ausfahrten verwendete Boot hat eine Leiter, über die man theoretisch nach dem Tauchgang wieder an Bord gelangen könnte. Es erscheint jedoch besser, in der Praxis hierauf zu verzichten und zunächst die Ausrüstung an Bord zu reichen und sich dann selbst mit einem kräftigen Flossenschlag hochzuhieven. Die Leiter ist nicht nur rutschig, es besteht auch erhebliche Verletzungsgefahr für die Finger.

Ausbildung

Während meines Aufenthaltes bekam ich mit, wie ein anderer Gast einen Open-Water-Schein machte. Das zuvor beschriebene Bild rundet sich hier ab, wenn bereits ein Anfänger merkt, dass viele Inhalte aus dem Lehrbuch nicht besprochen werden. Zeit ist Geld - so scheint es dass Motto zu sein. Hier wurde geworben, dass man das internationale Zertifikat in 2-3 Tagen erhalte. Offenkundig ist hier zu Lasten der Qualität ein Wucherpaket zur Gewinnoptimierung gestrickt worden: Kursgebühr (350 US$) zuzüglich Zertifizierungskosten (12 US$) zuzüglich Anzugleihpreis (pro Tauchgang 6 US$). Lehrmaterialen gibt es dabei nur leihweise. Wer etwas zum Nachschlagen haben will, kauft sich das Zeugs später in Deutschland, was den Preis weiter erhöht.

Natürlich auch im Angebot: Ein Schnupper"tauchkurs" ohne Zertifikat, hier "Resortkurs" genannt. Dieser Kurs basiert offenkundig nicht auf dem für PADI-Tauchbasen für diesen Zweck konzipierten Programm "Discover Scuba Diving", sondern reduziert jene ohnehin schon dürftigen Inhalte noch einmal erheblich. Für den Preis von 60 US$ (zzgl. dem Preis für einen Gammelanzug) gibt es folgendes, wie ich mehrfach beobachten konnte:
Zehn Minuten Pool-Einweisung zur Gerätebenutzung, d.h. Maske ausblasen und Automat wiedererlangen. Danach einen Hinweis, dass der Knopf am Jacket (also der Inflator) nicht zu benutzen sei, da dass nur ausgebildete Taucher dürften. So "ausgebildet" geht es danach direkt ins Meer. Es kann schon mal vorkommen, dass dabei ein Tauchplatz ausgewählt wird, der nur 1-2 Meter Sichtweite hat.

Später hörte ich von einem ehemaligen Mitarbeiter der Sea Pro Divers - Kette, dass es dort üblich war, dass "Guides" gewöhnliche Open Water Diver waren, Kurse von Tauchern mit Advanced Open Water Brevet geleitet wurden und der Instructor nur zum unterschreiben der Bestellscheine der Brevets vorbei kam.

Sicherheit

Zur Sicherheit habe ich zuvor immer wieder einige Bemerkungen eingestreut. Zu ergänzen sind noch zwei Aspekte:
An Notfallausrüstung steht im Geräteraum ein DAN-Koffer ("Rescue Pak"), dass Boot selbst verfügt nicht über etwaige Hilfsmittel.
Mitunter werden unnötige Risiken eingegangen: Ein Tauchgang im flachen Bereich führte in eine enge Grotte, aus der uns durch eine kleine Öffnung am anderen Ende eine starke Strömung entgegenkam. Die Grotte wurde nacheinander von fünf Tauchern betaucht, am Ende wurde umgekehrt und mit der Strömung zurück geschwommen. Ich möchte nicht daran denken, welche Folgen das Hängen bleiben eines Tauchers an einem der Felsen in der Grotte bei Strömung und Enge gehabt hätte. Das lediglich der Autor dieser Zeilen und sein zufällig gefundener Buddy Lampen dabei hatten, die anderen Gäste inkl. des Guides sich jedoch so ins Dunkel stürzten, sei nur am Rande erwähnt.

Werbung

"...and give you the chance to interact with multicolor under water marine life..." (sinngemäß: "Wir geben Ihnen die Chance, mit den bunten Unterwasserlebenwesen zu interagieren").

Diese Werbeaussage hätte zusammen mit dem Bild eines Tauchers, der Bananen an Fische verfüttert, schon bei der Anmeldung eine deutliche Warnung sein müssen. Doch es geht noch weiter: Da werden Langusten aus ihren Höhlen gezerrt und Kugelfische aufgeblasen, um als "Ball" von Taucher zu Taucher gereicht zu werden. Da bekommt eine andere Werbeaussage - "is very fun" - gleich einen ungewollt bitteren Anstrich.

Fazit

Und schließlich werden die Aktivitäten noch beworben mit "once in a lifetime experience". Sicher, hier stimmt die Werbung: Das ist eine Erfahrung, die sicher einmalig war. So möchte ich sie nicht wieder machen. Ich war bei den "Sea Pro Divers" in einem Urlaub gleich zweimal Kunde: Das erste und das letzte Mal.

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