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Werner Lau, Malediven, Eriyadu

 
Dieser Bericht aus März 2003 wurde ins Archiv verschoben.
Die Tauchbasis auf der Insel Eriyadu wird seit Anfang 2007 nicht mehr von Werner Lau betrieben.

Vor den Beginn der Tauchaktivitäten steht die übliche Check-In - Prozedur an. Hierbei handelt es sich jedoch nicht nur um das übliche Ausfüllen der Anmeldung und das Durchsehen der Papiere (Logbuch, Brevet, Tauchtauglichkeitsbescheinigung), es wird mehr gemacht. Jeder neue Gast erhält ein ausführliches Basisbriefing, in dem die Räumlichkeiten, der Tagesablauf und die Angebote ausführlich erläutert werden. Ein Service, der bereits vor dem ersten Tauchgang angenehm positiv auffiel.

Checktauchgang

Ein sogenannter Checktauchgang ist für jeden Kunden - egal wie viel Taucherfahrung mitgebracht wird - obligatorisch. Zunächst erfolgt in der 1-2 Meter tiefen Lagune vor der Tauchbasis eine Tarierungskontrolle. Es wird sehr penibel darauf geachtet, dass niemand überbleit taucht. Neben den üblichen Gewichten zu 1 und 2 Kilo wird hier auch mit 0,5 Kilo - Gewichten gearbeitet. Der eine oder andere Gelegenheitstaucher zeigte sich dann überrascht, wie wenig Blei er bekommen sollte und wie gut es trotz Aluflasche funktioniert. Nach dem Bleicheck geht es mit kurzer Schwimmstrecke zur Riffkante, wo auf ca. 5 Meter abgetaucht wird. Hier ist das Beherrschen von zwei Standard-Übungen zu demonstrieren: vollständige Absetzen, wiederaufsetzen und Ausblasen der Maske sowie Wiedererlangen des Lungenautomaten. Im Anschluss an diese Übungen folgt ein normaler, gemütlicher und unbegleiteter Tauchgang in den zuvor gebildeten Buddy-Teams. Der Checktauchgang ist komplett kostenlos, wenn sich an diesen Tauchgang mindestens 6 weitere Tauchgänge anschließen.

Basisbetrieb

Die Basis wurde zum Zeitpunkt meines Besuches von Sanne (Susanne) Wenzel und Robin Sarkar geleitet. Unterstützt wurden die beiden durch Chris und Dani sowie einigen Maledivern, die die Bootscrews und Kompressorboys stellten. Somit stehen insgesamt 4 Tauchlehrer/Guides zur Verfügung. In den ersten Tagen hatte ich den Eindruck, das eine etwas angespannte Atmosphäre herrschte. Nebenbei erfuhr ich, dass gerade der regionale Leiter und Verantwortliche der Lau-Maledivenbasen anwesend war. Als dieser abgereist war, wich der Eindruck zugunsten eines sehr freundlichen und motiviert auftretenden Teams.

Grundsätzlich wird guidefreies, selbständiges Tauchen erwartet. Es gibt dabei jedoch einige Regeln bzw. Beschränkungen. Ein Teil dieser Regeln ist auf Landesgesetze zurückzuführen, anderes ist vom Betreiber festgelegt. Mit diesen Bestimmungen wird man im Basisbriefing vertraut gemacht. Hierzu gehört die Pflicht zum Tauchen mit Computer und Signalboje sowie Zweitautomat. Ferner sind ausschließlich Nullzeittauchgänge zugelassen, die Tauchzeit ist auf 60 Minuten vom Boot oder 120 Minuten am Hausriff beschränkt, wobei die 12l-Alu-Flaschen bei 50 bar aus dem Wasser sein müssen. Das gesetzlich verankerte Tiefenlimit beträgt ca. 30 Meter. Während der zwei Wochen sind mir jedoch keine Kontrollen der Computer oder des Flaschenrestdrucks aufgefallen. Das mag jedoch auch darauf zurückzuführen sein, dass es niemanden gab, der dies durch auffälliges Verhalten provozierte.

Tauchen am Hausriff

Das Hausriff der Insel kann 24 Stunden am Tag betaucht werden. Hierzu holt man sich bei der Kompressorcrew einfach eine gefüllte Flasche, baut sein Tauchgerödel zusammen und trägt sich mit Startzeit und geplanter Einstiegs- und Ausstiegsstelle in eine Liste ein. Die Basis bietet einen Flaschenservice, mit dem das Gerät zur gewünschten Einstiegsstelle transportiert wird und der später leere Flaschen auch wieder abholt. Nach dem Eintrag in die Hausriffliste braucht man somit am Einstiegsplatz nur noch die Ausrüstung nehmen und es kann losgetaucht werden. Außerhalb der Zeiten des Flaschenservices (vor 8 Uhr und nach 17:30 Uhr) kann man die Flaschen entweder selbst transportieren, oder dies rechtzeitig vorher anmelden. Wer einen Nachttauchgang oder einen Early-Morning-Dive plant, kann so auch außerhalb der Basisöffnungszeiten das Gerödel zuvor zu einem Einstiegsplatz bringen lassen oder es einfach in den Bungalow mitnehmen. Nach dem Tauchgang muss man sich aus der Hausriffliste wieder als "zurückgekommen" austragen. Dies muss - wie oben beschrieben - spätestens nach zwei Stunden der Fall sein. Vergessliche lösen sonst die Sicherheitskette mit Suchaktionen nach vermissten Tauchern aus. Wer keinen festen Buddy hat, kann sich in eine "Buddy wanted" - Suchliste eintragen. Netter Service, mit dem schnell Kontakte gebildet werden konnten. Allerdings gibt es für einen Eintrag in eine solche Liste keine Erfolgsgarantie: Die meisten paarweise anreisenden Gäste tauchen gemeinsam...

Bootstouren

Täglich werden je zwei Bootstouren um 9:00 Uhr und um 14:30 Uhr angeboten, die Zahl der Teilnehmer ist dabei auf ca. 16 Personen pro Boot beschränkt. Am Vortag um ca. 14:00 Uhr wird dazu bekannt gegeben, welche Tauchspots angefahren werden. Wurden besonders attraktive Plätze angeboten, dauerte es mitunter keine fünf Minuten, bis ein Boot ausgebucht war. Wer Spots mit hoher Manta- oder Haiwahrscheinlichkeit erleben wollte, musste folglich sehr pünktlich zur Aushangszeit der Touren an der Basis sein. In der Basis gibt es Infomappen, in der jeder Tauchplatz beschrieben ist und zusätzlich mit einer Skizze dargestellt wird. Es handelt sich hierbei um das gleiche Material, dass auf der Internetseite des Anbieters zu finden ist, ergänzt um einige zusätzliche Tauchspots. Neben der Information zum Tauchplatz wurde die ungefähre Fahrzeit und das Anforderungsniveau angegeben, d.h. es wurde kenntlich gemacht, ob der Tauchplatz anfängertauglich ist, ob wahrscheinlich mit Strömung zu rechnen ist und ob es sich voraussichtlich um eher verhaltene oder starke Strömung handelt wird. Taucher mit weniger als 40 geloggten Tauchgängen dürfen Bootstauchgänge ausschließlich in Begleitung eines Guides machen, wofür ein Aufschlag berechnet wird. Diese Regelung erscheint sehr vernünftig, da die meisten per Boot erreichbaren Spots recht tief liegen. Auf den Listen für die einzelnen Tauchplätze ist jeweils gekennzeichnet, ob und wenn ja wie viele begleitete Anfänger mitfahren dürfen. Bei einigen sehr exponierten Plätzen sind begleitete Tauchgänge für Anfänger ausgeschlossen. Noch am Bootsanleger wird die Ausrüstung zusammengebaut und geprüft, dann auf dem Boot gelagert. Wenn alle Mitfahrenden die Ausrüstung versorgt haben, geht es los. Während der Fahrt gibt es ein ausführliches Briefing mit Tauchplatzskizze, danach erfolgt meist das Signal, sich tauchfertig aufzurödeln. Am Platz angekommen, macht der Guide einen Strömungscheck, kommt wieder an Bord und berichtet kurz über die zu erwartenden Bedingungen. Danach wird in den zuvor abgesprochenen Gruppen unter negativer Tarierung sofort abgetaucht. Letzteres ist insbesondere für Tauchgänge an strömungsreichen Plätzen wichtig. Wenn das Boot sehr voll ist, werden meist zwei Gruppen gebildet, die mit gewisser Pause starten. Obwohl Chris und Dani beide recht neu auf der Basis waren, lieferten sie ein exzellentes Briefing und schienen die Plätze schon sehr gut zu kennen. Sanne sorgte bei einem Tauchgang einmal dafür, dass sich auf unseren Gesichtern so breites Lächeln zeigte, dass der Atemregler fast aus dem Mund geflogen wäre: Hatte Sie doch in ihren Tauchutensilien eine Leselupe dabei und spürte so selbst die winzigsten Garnelen und Nacktschnecken auf. Die Tauchgänge waren grundsätzlich "one-way", d.h. die Boote ankerten nicht, sondern sammelten die Taucher am Ende des Tauchgangs wieder ein. Diese Vorgehensweise galt auch für Plätze ohne Strömung. Nach dem Tauchgang wurde jedem Taucher von der Bootscrew Kokosnuss und Tee angeboten.

Ausbildung

Natürlich ist eine Tauchbasis auf den Malediven mit der Vielzahl der Gäste, die dort durchgeschleust werden, in gewisser Weise eine Taucherfabrik. Dennoch gibt es auf dieser Werner Lau - Tauchbasis keine Schnellstabfertigung in großen Gruppen. Da die hier für Eriyadu beschriebenen Beobachtungen der Unternehmensphiliosophie des Betreibers entsprechen dürften, sollte das Bild an anderen Standorten ähnlich sein: Ausgebildet wird nach den Richtlinien von CMAS/Barakuda (bis GOLD/***), wer ein PADI-Brevet wünscht oder eine einmal auf dieser Schiene begonnene Ausbildung ohne "Systemwechsel" fortsetzen will, kann jedoch auch alle Ausbildungsstufen (bis Divemaster) dieses anderen Verbandes durchlaufen. Außerdem werden die meisten Spezialkurse angeboten. Die Grundausbildung erfolgt in Kleinstgruppen von 1-2 Personen pro Tauchlehrer, optimale Betreuung und Training sind damit gegeben. Dass ein auf diese Weise erworbener Tauchschein nur formell dazu qualifiziert, auch in deutschen Gewässern abzutauchen, dürfte jedem klar sein. Doch wer sich in tropischen Bedienungen zum Tauchen entscheidet, hat meist ohnehin anderes im Sinn... Bereits zu Beginn der Ausbildung werden richtige Atemtechniken und sorgfältiges Tarieren mit möglichst wenig Blei gelehrt. Hier spiegelt sich dass wieder, was bereits beim Checktauchgang beschrieben wurde. Eine besondere Stellung dürfte der Spezialkurs "Strömungstauchen" (bzw. PADI Drift Diver Speciality) einnehmen. Viele Plätze, die von den Tauchbooten angefahren werden, liegen sehr exponiert. Wer zuvor keine Erfahrung im Tauchen bei Strömung hatte, ist sicher gut beraten diesen Kurs zu wählen. Im Rahmen des vorgebuchten Tauchpaketes ist das auch gleichzeitig der einzige bezahlbare Spezialkurs, alle anderen sind maßlos überteuert. Der Strömungskurs, an dem ich teilnahm, kann ohne Einschränkungen als sehr gründlich und gelungen bezeichnet werden. Gründlich dadurch, dass die Ausbildung bei nur einem Kursteilnehmer wirklich individuell war. Gelungen, weil es während des ganzen Spezialkurses zu spüren war, dass das, was Robin zu Beginn mal sagte ("Strömung unterrichte ich am liebsten") offenkundig sehr zutreffend ist. Der Kurs selbst besteht aus zwei Theorieeinheiten von je ca. einer Stunde Dauer, die am Abend in der Bar durchgeführt werden und neben Grundlagen (wie entsteht Strömung, wie verhält man sich richtig?) auch einen Schwerpunkt in der Gefahrenanalyse und Unglücksverhütung haben. Dazu gehören drei begleitete Tauchgänge. Die Tauchplätze wurden so ausgesucht, dass zunächst an einem Platz mit geringer Strömung ("Helegeli Tila") und danach einem mit mittlerer Stärke ("Blue Canyon") getaucht wurde. Den Abschluss bildete ein Spot, an dem es richtig heftig zog ("Blue Cave"). Neben dem Briefing auf dem Boot gab es vor jedem Tauchgang ein zusätzliches ausführliches Briefing, welches die Strömungsbesonderheiten umfasste. Zuvor wurde noch in der Basis anhand von Meereskarten und einem Tidenkalender über die zu erwartenden Bedingungen gesprochen. Der letzte der drei Tauchgänge hatte die zusätzliche Besonderheit, dass eine Begleitung beim durch den Guide durchgeführten Strömungscheck erfolgte und hier gezeigt wurde, wie diese für die Tauchgruppe wichtigen Informationen praktisch ermittelt werden. Es ist schon bemerkenswert, wie lässig und scheinbar ohne jede Anstrengung Robin selbst an den Plätzen mit heftigster Strömung im Wasser liegt, während alle anderen durch die Gegend geblasen werden oder mühevoll Halt suchen.

Website und Preise

Die Website des Anbieters ist sehr umfangreich und informativ. Neben detaillierten Informationen zu den Inseln mit Basisstandorten werden die Basis, die Teams und die Tauchplätze sehr ausführlich dargestellt. Die Tauchplatzbeschreibungen sind manches mal etwas übertrieben und nicht mehr ganz zutreffend, was sowohl die Korallen- als auch die Fischvielfalt betrifft. Die Liste der Spots ist zudem nicht ganz vollständig, eine Aktualisierung könnte nicht schaden. Die Preisgestaltung ist weniger erfreulich. Das Tauchen ist teuer, am Rande dessen, was als Wucher gilt. Diese Preisgestaltung ist jedoch schon das einzige, was unangenehm am Angebot auffällt. Das ist jedoch eine typisch maledivische Situation. Hier werden die Marktgesetze deutlich: Die Tauchbasen haben auf den Inseln Monopolstellung, die Kunden keine Chance zum Mitbewerber zu wechseln. So ist es aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht erstaunlich, dass das ausgenutzt wird.

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